Hitzestress macht Kräuter würziger | Weather.com
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Wie Hitze und Trockenheit den Geschmack von Gartenkräutern verändern

Hitze und Trockenheit verändern die Inhaltsstoffe vieler Kräuter. Studien zeigen ein erstaunliches Ergebnis: Aromastoffe nehmen bei Stress oft zu statt ab.

Auch Petersilie wird unter Trockenstress aromatischer – dieser Effekt bleibt nicht nur den mediterranen Kräutern vorbehalten.
(GettyImages)

Starke Hitzewellen und längere Trockenperioden gehören in deutschen Sommern inzwischen zur Normalität. Was viele Hobbygärtner und Köche nicht wissen: Der Stress durch Hitze und Wassermangel verändert nicht nur, wie gut Kräuter wachsen, sondern auch ihre chemische Zusammensetzung — und das oft anders, als man erwarten würde.

Weniger Biomasse, mehr Aroma

Eine vielzitierte Übersichtsarbeit der Forscher Dirk Selmar und Maik Kleinwächter vom Institut für Pflanzenbiologie der TU Braunschweig wertete rund 40 Einzelstudien aus und kam zu dem Ergebnis, dass Trockenheit die Konzentration verschiedener sekundärer Pflanzenstoffe in Gewürz- und Arzneipflanzen deutlich steigert. Der Grund dafür liegt im Pflanzenstoffwechsel selbst: Unter Trockenstress schließen Pflanzen ihre Spaltöffnungen, wodurch ein Mangel an Kohlendioxid in den Blättern entsteht. Das verschiebt den Stoffwechsel in Richtung verstärkter Aromastoff-Produktion.

Hinzu kommt ein einfacher Konzentrationseffekt: Da die Pflanze unter Stress weniger Biomasse bildet, steckt dieselbe Menge an Aromastoffen am Ende in weniger Pflanzenmasse.

Two bumblebees flying and pollinating purple beautiful creeping thyme flower (Thymus serpyllum). Selective focus with blurry background and foreground. Photographed in July in Sweden.
Blühender Thymian: Unter Trockenstress steigt der Gehalt an ätherischen Ölen in den Blättern messbar an.
(GettyImages)

Thymian: Hitzefest und würziger

Forschende der TU Braunschweig und des Julius Kühn-Instituts wiesen diesen Effekt auch bei Thymian nach. In einer Studie, veröffentlicht im Fachjournal "Industrial Crops and Products", führte kurzzeitiger moderater Trockenstress bei Thymian (Thymus vulgaris) zu einem Anstieg der Monoterpen-Konzentration um 40 Prozent und des Gesamtgehalts um 15 Prozent. Thymian kommt mit Trockenheit also nicht nur gut zurecht, er legt unter moderatem Stress sogar deutlich an Aroma zu.

Petersilie: Mag es heiß und trocken

In derselben Studie untersuchten die Forschenden auch Petersilie – das Standardkraut in jedem deutschen Garten. Das Studiendesign zielte gezielt darauf ab, Flavonoide und ätherische Öle von Petroselinum crispum unter Trockenstress zu erfassen. Der Effekt bleibt damit nicht den mediterranen Kräutern vorbehalten: Auch Petersilie wird unter Trockenstress würziger.

Salbei: Schnelle und starke Reaktion

Dieselbe Forschergruppe untersuchte 2017 gezielt Salbei. Im Fachjournal "Phytochemistry" erläuterte sie einen besonders drastischen Effekt: Der Monoterpen-Gehalt in Salbei verdoppelte sich bereits nach nur zwei Tagen moderaten Trockenstresses. Eine frühere Untersuchung aus dem Jahr 2010 zeigte zudem, dass eine erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre diesen Trockenstress-Effekt teilweise wieder ausgleichen kann. Von allen hier vorgestellten Kräutern reagiert Salbei damit am schnellsten und am stärksten auf Trockenheit.

Rosmarin: Zu viel Trockenheit schadet

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Eine 2024 veröffentlichte Studie zu Rosmarin zeigt, dass kontrollierter, milder Trockenstress kurz vor der Erntezeit die Konzentration ätherischer Öle erhöhen kann, ohne die Biomasse nennenswert zu verringern. Der Zusammenhang ist allerdings nicht linear: Andere Untersuchungen an Rosmarin fanden zunächst einen Anstieg der Ölkonzentration, gefolgt von einem Rückgang, sobald die Stressintensität weiter zunahm. Etwas Trockenheit tut Rosmarin also gut, zu viel davon schadet aber auch ihm.

Lavendel: Der Trockenspezialist

Eine 2025 im Fachjournal "Horticulturae" veröffentlichte Vergleichsstudie an vier Lippenblütlern unterschiedlicher Herkunft stuft Lavendel ausdrücklich als mediterranen Xerophyten ein, der gut an trockene Bedingungen angepasst ist. Bei moderatem Trockenstress erreichten sowohl der Gehalt an ätherischem Öl als auch der Flavonoidgehalt ihr Maximum, ein typisches Muster für eine gezielte Stressantwort der Pflanze. Zum Vergleich zogen die Forschenden Perilla frutescens heran, eine Pflanze aus feuchten Lebensräumen, die deutlich empfindlicher auf Wassermangel reagierte.

Eine weitere, 2025 in "Frontiers in Plant Science" erschienene Studie bestätigt zudem, dass der Effekt bei Lavendel dosisabhängig ist: Der Ölgehalt steigt bis zu einem bestimmten Stresslevel, sinkt bei stärkerem Wassermangel aber wieder ab. Lavendel ist von Natur aus auf Trockenheit eingestellt und reagiert solange mit mehr Aroma, wie der Stress moderat bleibt.

Basilikum: Nur moderater Wassermangel

Auch bei Basilikum zeigt sich das gleiche Muster wie bei Rosmarin und Lavendel: Moderater Trockenstress steigert den Gehalt an ätherischem Öl, starker Stress kehrt den Effekt um. Eine iranische Studie, die im Fachjournal "Phytochemistry" erschien, untersuchte gezielt die Genexpression bei Basilikum unter Trockenstress und fand, dass Trockenheit über eine verstärkte Aktivität der beteiligten Gene den Gehalt an Methylchavicol, Methyleugenol und weiteren Aromastoffen erhöht.

Weitere Untersuchungen bestätigen den dosisabhängigen Verlauf: Bei moderatem Wassermangel (etwa 60 bis 80 Prozent der optimalen Bewässerung) stieg der Ölgehalt um bis zu 26 Prozent, bei starkem, anhaltendem Trockenstress verloren die Pflanzen dagegen teils mehr als 45 Prozent ihrer Biomasse und damit auch ihres gesamten Ölertrags. Ein wenig Trockenheit macht Basilikum also würziger, hält der Wassermangel aber zu lange an, leidet die Pflanze deutlich.

Pfefferminze und Marokkanische Minze: Unterschiedlich robust

Bei den Minzarten lohnt sich der Vergleich besonders, weil sie offenbar unterschiedlich empfindlich reagieren. Bei Pfefferminze (Mentha piperita) zeigte eine Studie zu Hitzeschock-Bedingungen in Klimakammern Veränderungen sowohl in der Ölmenge als auch in der Zusammensetzung der enthaltenen Monoterpene.

Marokkanische Minze gehört botanisch zur Grünen Minze (Mentha spicata) und reagiert in Studien deutlich widerstandsfähiger: Eine Untersuchung an Pflanzen aus unterschiedlichen Klimazonen Pakistans, darunter eine ausdrücklich als trockengestresst eingestufte Region, fand zwar Unterschiede in der biologischen Wirkung und Zusammensetzung des Öls, jedoch keinen grundsätzlichen Rückgang der Ölqualität.

Wassermangel verringerte zwar das Trockengewicht von Wurzeln und Trieben sowie den Chlorophyllgehalt der Pflanze deutlich, die Produktion des ätherischen Öls selbst blieb davon aber weitgehend unberührt. Marokkanische Minze hält Trockenstress damit offenbar besser aus als Pfefferminze, deren Ölproduktion empfindlicher reagiert.

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