Hantavirus auf Schiff: Zahl der Infizierten erhöht sich | Weather.com
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Hantavirus auf Schiff: Zahl der Infizierten erhöht sich

Zwei weitere Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ wurden positiv auf das Hantavirus getestet. Die vier deutschen Passagiere des Schiffs befinden sich mittlerweile in heimischer Quarantäne.

Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ wurde mittlerweile komplett evakuiert und befindet sich auf dem Weg in die Niederlande.
(dpa)

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von bislang insgesamt elf Fällen aus. Neun Menschen seien positiv auf das Virus getestet worden, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Madrid bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez. Bei zwei weiteren Fällen gehe man ebenfalls von einer Infektion aus. Bereits auf dem Schiff sind drei Menschen an der Infektion gestorben.

Bereits gestern wurde bekannt, dass sich zwei weitere Passagiere aus Frankreich und Spanien mit dem Virus infiziert haben. Sämtliche Betroffenen seien isoliert worden und stünden unter strenger Überwachung, um das Risiko einer weiteren Übertragung zu minimieren, betonte Tedros. Er stufte die Gefahr einer größeren internationalen Ausbreitung als gering ein. Es sei aber möglich, dass „wir in den kommenden Wochen weitere Fälle entdecken“. Für die weitere Beobachtung seien nun die Länder verantwortlich, in die die Menschen gebracht worden seien.

Aus welchen Bundesländern stammen die vier deutschen Passagiere?

Bei den vier deutschen Passagieren zeigen sich bisher keine Symptome einer Infektion. Sie stammen aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Bei ihnen ließe sich auch aus negativen sogenannten PCR-Tests nicht mit absoluter Sicherheit schließen, dass sie virusfrei sind, wie der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) erklärte. „Ein negativer PCR-Test zu einem frühen Zeitpunkt schließt eine spätere Erkrankung nicht sicher aus, wenn sich die Person noch in der Inkubationsphase befindet und das Virus im Blut noch nicht nachweisbar ist.“

Wie lange müssen die Passagiere in Quarantäne?

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium (BMG) dürfte vorerst häusliche Quarantäne für die vier Betroffenen anstehen. „Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht.“ Falls eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards und sicher behandelt werden. Aufgrund der langen Inkubationszeit beträgt die angeordnete Quarantäne bis zu 45 Tage.

Von der Weltgesundheitsorganisation wird angenommen, dass die Infektionskette auf der „Hondius“ auf ein niederländisches Ehepaar zurückgeht, das am 1. April an Bord ging. Der Mann - mutmaßlich der Erstinfizierte des Infektionsclusters - hatte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall entwickelt und war am 11. April gestorben.

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Im Zuge dieser Erkrankung sei es nach derzeitiger Annahme zu begrenzten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen auf dem Schiff gekommen, erklärte Schmidt-Chanasit. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen ähneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen in Gang.

Gilt der Ausbruch jetzt als kontrollierbar?

Die Verzögerung sei nicht verwunderlich - ein Andesvirus-Fall auf einem Kreuzfahrtschiff sei kein sonderlich naheliegendes Szenario, sagte Schmidt-Chanasit. Es handle sich um ein sehr ungewöhnliches Ereignis, das durch mehrere unglückliche Umstände begünstigt worden sei. Das südamerikanische Andesvirus wird wie alle Hantaviren in der Regel von Nagetieren übertragen - etwa über Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub.

Inzwischen gelte das Geschehen als gut kontrollierbar: „Die betroffenen Personen werden international nachverfolgt, Hochrisikokontakte werden beobachtet oder quarantänisiert, symptomatische Personen werden rasch getestet und isoliert, und die Krankenhäuser wissen nun, worauf sie achten müssen“, so der Virologe. „Damit hat man bisher jeden Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht.“

Wie hoch ist das Risiko einer weiteren Ausbreitung?

Das Andesvirus ist das einzige Hantavirus, das in seltenen Fällen bei engem, anhaltenden Kontakt auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. In den vergangenen Jahrzehnten hatte es einige wenige erfasste Ausbrüche in Südamerika gegeben, die alle rasch wieder abebbten. Auch im aktuellen Fall sehen Experten kein Risiko für eine umfassende Ausbreitung des Erregers.

Die „Hondius“ hatte am Sonntag den Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas erreicht. Mit Sonderflügen wurden Menschen vom Schiff unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat gebracht. Am Montagabend wurde die Evakuierungsaktion abgeschlossen. Das Schiff setzte danach seine Fahrt mit einer Restmannschaft Richtung Niederlande fort. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern.

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