Polarlichter in Deutschland: Sonnensturm als Auslöser | Weather.com
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Warum Polarlichter plötzlich auch über Mitteleuropa leuchten

Polarlichter waren 2025 ungewöhnlich oft in Mitteleuropa zu sehen. Zwei Faktoren müssen dafür zusammenkommen.

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Polarlichter, auch genannt Nordlichter oder „Aurora Borealis“, gelten als typisches Phänomen hoher Breiten. Normalerweise sind sie vor allem in der Nähe der Pole sichtbar, etwa in Skandinavien oder Kanada. Umso größer war die Aufmerksamkeit, als in den vergangenen Monaten auch in Mitteleuropa immer wieder Polarlichter beobachtet wurden – ein außergewöhnliches Ereignis, das viele Menschen erstmals selbst erleben konnten und das medial große Aufmerksamkeit erzielte.

Auch Sonnenforscherin Lucia Kleint ordnet die Beobachtungen als etwas Besonderes ein. „Es ist schon speziell, dass die Polarlichter in Europa so weit südlich zu sehen waren“, sagt die Leiterin der Forschungsgruppe „Spaceweather“ am Astronomischen Institut der Universität Bern, wo sie auch als Co-Direktorin tätig ist.

Was muss passieren, damit Polarlichter so weit nach Süden wandern?

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beschreibt Polarlichter grundsätzlich als sichtbares Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen Sonnenwind, Erdmagnetfeld und Atmosphäre. Aber damit Polarlichter bis nach Mitteleuropa vordringen, müssen laut Lucia Kleint zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein:

#1. Es braucht es einen sehr starken Sonnensturm, bei dem große Mengen geladener Teilchen von der Sonne ins All geschleudert werden – und zwar in Richtung Erde. Angesichts der geringen Größe unseres Planeten im Vergleich zum Sonnen-Erd-Abstand verfehlen viele Sonneneruptionen die Erde.

#2. Die Ausrichtung des interplanetaren Magnetfeldes ist entscheidend. „Nur in etwa fünf Prozent der Fälle ist das Magnetfeld so orientiert, dass es eine besonders starke Kopplung mit dem Erdmagnetfeld ermöglicht“, erklärt Kleint.

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Trifft diese Kombination ein, kann die Energie der geladenen Teilchen laut Sonnenforscherin Kleint in die Magnetosphäre eingeleitet werden. Dadurch werden Elektronen beschleunigt und entlang der Magnetfeldlinien in die obere Atmosphäre gelenkt. Dort stoßen sie mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen zusammen und bringen diese in rot über blau und violett bis hin zu grün zum Leuchten – es entstehen die berühmten Polarlichter.

Warum sehen wir heute häufiger Polarlichter als früher?

Mitte November kamen genau diese Faktoren, ausgelöst durch einen Sonnensturm der höchsten Kategorie, zusammen. Das Ergebnis: Menschen konnten das Naturspektakel in weiten Teilen Deutschlands bewundern. Dass Polarlichter im gesamten Jahr 2025 besonders präsent waren, hat allerdings nicht nur mit der hohen Aktivität der Sonne zu tun. Laut Kleint spielt auch die veränderte Wahrnehmung eine Rolle. Digitalkameras und Smartphones ermöglichen es heute, selbst schwache Polarlichter zu fotografieren, die früher oft unbemerkt geblieben wären. „Hinzu kommt, dass sich die entsprechenden Bilder rasend schnell über soziale Medien verbreiten“, sagt Kleint.

Ein weiterer Grund: „Unsere Gesellschaft ist heute viel stärker von Technik abhängig als früher“, sagt Lucia Kleint. Störungen durch Weltraumwetter – etwa bei der Satellitennavigation – rückten das Thema daher viel stärker ins öffentliche Bewusstsein.

Wie lange sind Polarlichter über Mitteleuropa noch möglich?

Ob Polarlichter in Mitteleuropa künftig häufiger auftreten werden, lasse sich nicht genau vorhersagen. „Ziemlich sicher wird es auch weiterhin Polarlichter geben“, sagt Kleint. Wann, wo und wie oft sie sichtbar sein werden, bleibe jedoch ungewiss.

Wahrscheinlich sei aber, dass die Chancen in den nächsten ein bis zwei Jahren vergleichsweise gut stehen, erklärt Kleint. Grund dafür sei der elfjährige Sonnenzyklus, auf dessen Höhepunkt wir derzeit zusteuern. „Danach nimmt die Aktivität der Sonne wieder ab und wird wieder in ein Minimum übergehen“, so die Sonnenforscherin.

Ein Blick in den Himmel – mit wissenschaftlichem Hintergrund

Die Polarlichter über Mitteleuropa sind damit weniger ein neues Normal als vielmehr das Ergebnis einer seltenen Konstellation und gestiegener medialer Wahrnehmung. Sie zeigen eindrucksvoll, wie eng Sonne, Magnetosphäre und Atmosphäre miteinander verbunden sind – und warum Weltraumwetter längst kein abstraktes Forschungsthema mehr ist.

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