Ungarns Landwirte bekämpfen Dürre mit Thermalwasser | Weather.com
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Kampf gegen Dürre: Thermalwasser soll Ungarns ausgedörrte Felder retten

Wo einst Donau und Theiß die Felder fluteten, herrscht heute Dürre. Eine Landwirtschaftsinitiative hält mit Thermalwasser dagegen.

Oszkár Nagyapáti, farmer and member of the volunteer water guardians, stands in a hole in Kiskunmajsa, Hungary, Tuesday, July 29, 2025. (AP Photo/Denes Erdos)
"Wo ist das ganze Wasser geblieben?", fragt Oszkár Nagyapáti. Der Landwirt und Mitglied der freiwilligen Wasserwächter steht in einem Loch in Kiskunmajsa, Ungarn.
(AP Photo/Denes Erdos)

Breite Risse durchziehen den Boden. Wo einst Feldfrüchte wucherten, wachsen nun Sanddünen. "Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer", sagt Oszkar Nagyapati. Dem Landwirt macht die zunehmende Trockenheit in der ungarischen Tiefebene schwer zu schaffen.

Auf dem Grund einer Sandgrube gräbt Nagyapati mit der Hand nach Anzeichen von Wasser. Nur langsam sickert trübe Flüssigkeit aus dem Boden. "Wo ist das ganze Wasser geblieben?", fragt der Bauer. "Es ist unglaublich."

Klimawandel und falsche Landnutzung

Felder, die früher regelmäßig von der Donau oder der Theiß überflutet wurden, sind inzwischen fast unbrauchbar für den Anbau von Nutzpflanzen geworden. Und auch die Tierwelt leidet.

Der Homokhatsag, die Sandrückenregion zwischen Donau und Theiß, ist von geringen Niederschlägen, Austrocknung und sinkenden Grundwasserspiegeln betroffen. Forschende haben dafür schon vor Jahren eine Kombination aus Klimawandel, unsachgemäßer Landnutzung und schlechtem Umweltmanagement verantwortlich gemacht. In einem Artikel in der Wissenschaftszeitschrift "European Countryside" beschreiben sie die Versteppung dort als ein Phänomen, das so in diesem Teil Europas einzigartig ist.

Initiative der Landwirte

Eine Initiative um Oszkar Nagyapati hat sich nun auf eigene Faust auf die Suche nach Lösungen gemacht, um das Land vor der völligen Austrocknung zu retten. "Ich habe darüber nachgedacht, was man tun könnte", sagt der Landwirt, "wie wir das Wasser zurückbringen oder irgendwie Wasser in der Landschaft schaffen könnten".

Irgendwann sei der Punkt erreicht gewesen, an dem es nicht mehr ertragbar gewesen sei, sagt Nagyapati. "Und da haben wir unser Projekt gestartet, einige Gebiete zu fluten, um das Wasser in der Ebene zu halten."

Thermalwasser als Hilfsmittel

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Dazu setzt die Gruppe aus rund 30 Engagierten auf die Nutzung einer Ressource, für die Ungarn bekannt ist: Thermalwasser. Zusammen mit anderen "Wasserwächtern" nahm Nagyapati Verhandlungen mit den Behörden und einem örtlichen Thermalbad auf. Das Ziel: Überlaufwasser des Bades, das sonst in einen Kanal fließt, auf die Felder umzuleiten. Das in großer Tiefe gewonnene Wasser flutet nach dem Plan der Initiative gekühlt und gereinigt ein zweieinhalb Hektar großes Ackerland, ähnlich wie es die Flüsse früher taten.

Die Gruppe hofft, dass mit der künstlichen Überflutung nicht nur der Grundwasserspiegel angehoben werden kann, sondern dass die Oberflächenverdunstung auch ein Mikroklima schafft mit höherer Luftfeuchtigkeit und niedrigeren Temperaturen. Davon könnten die Vegetation und die Tierwelt in der Umgebung profitieren.

"Unermessliches Glück"

Angesichts eines weiteren heißen und trockenen Sommers in diesem Jahr schritten die "Wasserwächter" gemäß ihrem Plan zur Tat: Sie blockierten Abflussrinnen am Kanal, in den das Thermalwasser fließt, und leiteten das wertvolle Überlaufwasser so auf das Feld um.

Nach ein paar Monaten war die Fläche fast vollständig geflutet. Das so entstandene flache Sumpfgebiet scheine vielleicht auf den ersten Blick sehr klein, sagt Nagyapati, als er den Erfolg im Dezember präsentiert. Sie beschere "hier in der Wüste aber unermessliches Glück".

Inspiration für andere

Er rechnet mit "großen Auswirkungen" in einem Radius von rund vier Kilometern – nicht nur auf die Vegetation, sondern auch auf das Wassergleichgewicht des Bodens. "Wir hoffen, dass auch der Grundwasserspiegel steigt", erklärt Nagyapati.

Erste Ergebnisse sind den Initiatoren zufolge vielversprechend. Sie hätten schon Verbesserungen beim Grundwasserspiegel beobachtet, melden die "Wasserwächter" zum Ende des Jahres. Auch für Flora und Fauna in dem Gebiet zeigten sich positive Wirkungen.

Nun wünscht sich die Gruppe die Ausweitung auf weitere Flächen. Und hofft, zur Nachahmung zu inspirieren. "Diese Initiative kann als Vorbild für alle dienen", betont Nagyapati. "Wir brauchen mehr und mehr solche Bemühungen."

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