El Niño kündigt sich an: Welche Folgen das für unser Wetter hat | Weather.com
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El Niño kündigt sich an: Wie beeinflusst das Klimaphänomen das Wetter in Europa?

Eine wichtige Klimaschaukel im Pazifik setzt sich wieder in Gang. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass La Niña sich im Frühling verabschiedet und im Sommer einem alten Bekannten wieder Platz machen könnte.

Farbcodierte Weltkarte der Meeresoberflächentemperaturen auf einem Globus, mit besonders warmen (rot) und kühlen (blau) Bereichen im Pazifik und Atlantik rund um Nord- und Südamerika.
Für den Herbst wird ein Übergang zu einem neuen El-Niño-Ereignis erwartet, das die Wetterverhältnisse für die Wintersaison 2026/2027 vollständig verändern wird.
(TWC)

Das Climate Prediction Center (CPC) der amerikanischen Wetter- und Klimabehörde NOAA prognostiziert, dass La Niña mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent bis Ende März 2026 in eine neutrale Phase übergehen wird. Zum Sommer hin könnte El Niño zurückkehren.

Was ist El Niño?

El Niño ist Teil des großräumigen Klimaphänomens El-Niño-Southern Oscillation (ENSO), das etwa alle drei bis sieben Jahre im tropischen Pazifik auftritt und das Wetter weltweit beeinflusst. Während eines El-Niño-Ereignisses ist das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik deutlich wärmer ist als im Durchschnitt. Diese Erwärmung verändert die Tiefdruckgebiete über dem Pazifik, die Gewittertätigkeit in den Tropen und die Luftströmungen in großer Höhe.

Über die sogenannte Telekonnektionen – einer Fernwirkungen in der atmosphärischen Zirkulation – wirken sich diese Veränderungen auch auf andere Regionen der Erde aus.

Wie beeinflusst El Niño das Wetter in Europa?

Anders als in Nord- und Südamerika beeinflusst El Niño das Wetter in Europa nur indirekt, zum Beispiel über die großräumige Zirkulation der Atmosphäre auf der Nordhalbkugel.

Durch die Konvektion im tropischen Pazifik ändern sich die Lage und Stärke der Jetstreams, insbesondere über dem Pazifik und Nordamerika. Diese Veränderungen pflanzen sich in Form großskaliger planetarischer Wellen (Rossby-Wellen) nach Osten fort und können schließlich das Druckmuster über dem Nordatlantik beeinflussen.

Für Europa sind dabei vor allem die Nordatlantische Oszillation (NAO), die Arktische Oszillation (AO) sowie die Stellung und Ausprägung von Islandtief und Azorenhoch entscheidend. El Niño kann diese Druckmuster verschieben und bestimmte Wetterlagen begünstigen, steuert sie aber nicht direkt.

Stärkster Einfluss im Winter spürbar

Am deutlichsten zeigen sich El-Niño-Einflüsse in Europa im Winterhalbjahr. Statistische Auswertungen deuten darauf hin, dass in den Jahren mit einem starken El-Niño-Ereignis in Teilen West- und Nordwesteuropas etwas häufiger milde Wetterbedingungen vorherrschen. Vom Atlantik her erreichen Europa dann öfter milde, feuchte Luftmassen, was strengen Frost und Dauer-Schneedecken in vielen Regionen weniger wahrscheinlich macht.

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Gleichzeitig erlebt der Mittelmeerraum zeitweise oft verstärkten Tiefdruckeinfluss, was regional zu mehr Regen und Sturmlagen führen kann. Solche Muster sind aber nur Tendenzen: Es gibt sowohl El-Niño-Winter, die sehr mild verlaufen, als auch solche, in denen regional trotzdem markante Kälte- oder Schneeeinbrüche auftreten.

Wie groß ist El Niños Einfluss auf unser Sommerwetter?

Im Frühling und Sommer wird der Einfluss von El Niño auf Europa noch diffuser. In diesen Jahreszeiten spielen für das Wetter in Europa andere Faktoren eine größere Rolle, etwa regionale Hoch- und Tiefdruckgebiete, die Meeresoberflächentemperaturen im Nordatlantik und auch der thermische Antrieb über den Kontinenten sowie Land-Meer-Kontraste.

Ein klares Muster lässt sich während eines El-Niño-Sommers in Europa nicht nachweisen. Einzelne Dürre- oder Starkregenereignisse können daher nicht einfach auf das Klimaphänomen zurückgeführt werden, sondern sind das Ergebnis eines Zusammenspiels vieler Prozesse.

Wie entsteht El Niño?

Das Bild zeigt die ENSO-Regionen im tropischen Pazifik. Das Hauptgebiet umfasst den zentralen Teil, der im Bild als Niño-3.4-Region dargestellt ist. In dieser Region werden die ENSO-Phasen anhand der saisonalen Anomalien der Meeresoberflächentemperatur (wärmer/kälter) bestimmt.
Das Bild zeigt die ENSO-Regionen im tropischen Pazifik. Das Hauptgebiet umfasst den zentralen Teil, der im Bild als Niño-3.4-Region dargestellt ist. In dieser Region werden die ENSO-Phasen anhand der saisonalen Anomalien der Meeresoberflächentemperatur (wärmer/kälter) bestimmt.
(GettyImages/TWC)

Wie ein El Niño entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Jedenfalls hängt sein Auftreten mit Veränderungen der globalen Windsysteme zusammen. Im Normalfall entstehen zwischen einem Hochdruckgebiet vor der Westküste Südamerikas und einem Tiefdruckgebiet vor der Ostküste Australiens Winde, die zum globalen System der Passatwinde zählen (Nordost-Passat auf der Nordhalbkugel, Südost-Passat auf der Südhalbkugel). Ihre Stärke wird vom Druckgefälle zwischen dem Hoch und dem Tief bestimmt.

Parallel dazu zirkulieren kalte und warme Meeresströmungen. Eine kalte Strömung ist der Humboldtstrom, der von der Antarktis parallel zu den Anden nach Norden fließt. Südlich des Äquators, etwa auf Höhe der Galapagos-Inseln vor Ecuador, schwenkt er nach Westen und geht in den Südäquatorialstrom über. Sein kaltes Wasser kühlt auch die Luft ab, die nun weniger Feuchtigkeit enthält. Dadurch entstanden an den Küsten, die er passiert, niederschlagsarme Wüstengebiete, etwa die Atacama-Wüste in Chile.

Wie kommt El Niño zu seinem Namen?

Der Name El Niño stammt ursprünglich aus der Umgangssprache peruanischer und ecuadorianischer Fischer an der Pazifikküste Südamerikas. Dort wurde seit Jahrhunderten beobachtet, dass im Winter manchmal eine ungewöhnliche Meeresströmung auftritt: Das sonst kühle, nährstoffreiche Wasser vor der Küste wird dann plötzlich deutlich wärmer. In der Folge bricht der Fischfang bricht ein und auch das Wetter verändert sich. Weil dieses warme Wasser häufig um Weihnachten auftrat, nannten die Fischer das Phänomen „El Niño“, spanisch für „das Christkind“ bzw. „der Knabe“ – gemeint ist das Jesuskind.

Im 20. Jahrhundert erkannten Meteorologen und Ozeanografen, dass diese regionale Erscheinung Teil eines viel größeren Klimamusters ist, das den gesamten tropischen Pazifik umfasst und massive Auswirkungen auf das Wetter weltweit haben kann. Die Bezeichnung El Niño wurde beibehalten und auf das gesamte Klimaphänomen übertragen.

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