Banda: Eine der heißesten Städte der Welt | Weather.com
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Banda in Indien: Das Leben in einer der heißesten Städte der Welt

Die Temperaturen dort erreichen teils mehr als 48 Grad. Die Bewohner müssen damit umgehen: AP-Reporter haben beobachtet, wie sie versuchen, ihren Alltag trotz Hitze irgendwie zu bewältigen.

Ein Arbeiter schleppt am frühen Morgen einen Sack mit Kohl über einen Gemüsemarkt in Banda (AP Photo/Rajesh Kumar Singh)
Ein Arbeiter schleppt am frühen Morgen einen Sack mit Kohl über einen Gemüsemarkt in Banda
(AP Photo/Rajesh Kumar Singh)

Brütende Hitze zu jeder Tageszeit, auch nachts. Lange Stromausfälle, in denen nicht einmal Ventilatoren genutzt werden können. Und der ständige Versuch, die Hitze durch eine kleine Abkühlung zu lindern: Für viele Bewohnerinnen und Bewohner der nordindischen Stadt Banda ist es eine stete Herausforderung, einfach nur den Tag zu überstehen. In der Stadt wurden landesweit einige der höchsten Temperaturen des Landes gemessen.

Die von Menschen verursachte globale Erwärmung führt dazu, dass Hitzewellen in ganz Indien häufiger auftreten und an Intensität zunehmen. Der Unionsstaat Uttar Pradesh, in dem Banda liegt, ist besonders von extremer Hitze betroffen. Im Mai erreichte die Temperatur dort 48,2 Grad, mehrfach in diesem Jahr wurde in der Stadt die höchste Tagestemperatur Indiens gemessen.

Laut dem Klimatologen und Wetterhistoriker Maximiliano Herrera war Banda in diesem Jahr auch sieben Mal der heißeste Ort der Erde, überwiegend im April. Herrera beobachtet globale Wetterextreme. Seither gingen die Temperaturen leicht zurück, doch die Hitze ist weiterhin drückend, zumal die saisonalen Regenfälle die Luftfeuchtigkeit erhöhen.

Im Juni begab sich ein Team der Nachrichtenagentur AP nach Banda, um darüber zu berichten, wie die Menschen versuchen, mit der Hitze zurechtzukommen.

Am Morgen: Hitze erschwert die Arbeit auf dem Markt

Munni Devi und ihre vier Söhne beginnen in aller Frühe mit dem Be- und Entladen von Gemüse. Es ist erst 4.00 Uhr, aber es sind bereits 30 Grad. Die 70-jährige Devi sagt, die Hitze werde jedes Jahr intensiver, und dieses Jahr sei besonders schlimm. Dabei ist die Arbeit bereits bei moderatem Wetter körperlich anstrengend. Aber sie und ihre Söhne könnten es sich nicht leisten, auch nur einen Tag lang nicht zu arbeiten, sagt Devi. "Wir müssen es ertragen."

Viele Kunden kämen früh, in der Hoffnung ihre Einkäufe vor der allergrößten Hitze erledigt zu haben. Sie und ihre Söhne arbeiten vom frühen Morgen bis mittags auf dem Gemüsemarkt und kehren dann nach Hause zurück, um sich zu erholen. Doch wenn es – manchmal über Stunden – keinen Strom gibt, "funktionieren nicht einmal die Deckenventilatoren." Ihre Enkelkinder werden jeden Tag mit einem Wasserschlauch abgespritzt, um etwas Abkühlung zu bekommen.

Am Nachmittag: Tierfreund bemüht sich um Schutz für Vögel

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Wer es sich leisten kann, geht nicht ins Freie. Doch einige Gemüsehändler und Fahrer von Motorrikschas bleiben draußen, in der Hoffnung auf Umsatz. Der 70-jährige Tierfreund Shobharam Kashyap baut derweil in seinem Zuhause Vogelhäuschen aus Holz. Er und andere freiwillige Helfer hätten in der Stadt mehr als 15.000 Vogelhäuser angebracht, um Vögeln in einer immer rauer werdenden Umwelt eine Atempause zu verschaffen, sagt er.

Volgelschützer Shobharam Kashyap zeigt ein Vogelhäuschen, das er für die Spatzen in Banda gemacht hat (AP Photo/Rajesh Kumar Singh)
Volgelschützer Shobharam Kashyap zeigt ein Vogelhäuschen, das er für die Spatzen in Banda gemacht hat
(AP Photo/Rajesh Kumar Singh)

Außerdem hat er um sein Zuhause herum Wasserschalen aufgestellt, damit die Vögel dort baden oder trinken können. Er führe die traditionelle Gepflogenheit fort, sich um andere Tiere zu kümmern. "In unserer Kultur ist es seit langem üblich, Vögel zu füttern. Frauen, die Tempel besuchen, bringen traditionell Reis als Opfergabe dar. Weder der Priester noch die Gottheit verzehren ihn – die Vögel tun es", sagt er.

Am Abend: Mit der Hitze nehmen auch die Klinikaufnahmen zu

Die heißeren Tage haben dazu geführt, dass mehr Patienten ins Krankenhaus in Banda kommen, eines der größeren medizinischen Zentren der Region. Patienten mit Hitzebeschwerden – von Ohnmacht bis hin zum Hitzschlag – kommen meist am Nachmittag und Abend und füllen die Flure und Stationen. Die Patientinnen und Patienten sitzen Seite an Seite auf Bänken, Angehörige fächeln ihnen Luft zu. Der Leitende Arzt Abhishek Pranayami sagt, das Krankenhaus verzeichne jeden Sommer einen Patientenansturm, "und die Zahl der Patienten steigt von Jahr zu Jahr". "Der Druck auf uns und das Personal ist ziemlich hoch", fügt er hinzu.

 Dr. Abhishek Pranayami untersucht am Krankenhaus in Banda einen Patienten, der infolge der großen  Hitze eingeliefert wurde (AP Photo/Rajesh Kumar Singh)
Dr. Abhishek Pranayami untersucht am Krankenhaus in Banda einen Patienten, der infolge der großen Hitze eingeliefert wurde
(AP Photo/Rajesh Kumar Singh)

In der Nacht: Schlaf unter freiem Himmel oder im Bahnhof

Selbst nachts bleibt es in Banda heiß. Am Bahnhof der Stadt versammeln sich manchmal Familien bis spät in die Nacht, in der Hoffnung, dass es auf den offenen Bahnsteigen und mit einer gelegentlichen Brise angenehmer ist als in den beengten Wohnungen, die den ganzen Tag über Wärme gespeichert haben.

Dutzende Menschen schlafen im Bahnhof, um der Hitze zu entfliehen, manche liegen auf Decken auf dem Bahnsteig, andere auf Bänken oder in der Nähe des Fahrkartenschalters, trotz des grellen Lichts. Hunde liegen zwischen einigen der Schlafenden, auch ihnen ist es viel zu heiß. Ungeachtet des Lärms der Fahrzeuge und der Fahrgäste, die den Bahnhof betreten oder verlassen, liegen Arbeiter und Anwohner auf Handtüchern und manchmal sogar direkt auf dem Schotter, da die relativ offenen, luftigen Straßen und Gehwege nahe dem Bahnhof ihnen die beste Aussicht auf etwas Schlaf bieten.

Menschen schlafen auf einem Wartegleis am Bahnhof in Banda, um der Hitze zu entkommen (AP Photo/Rajesh Kumar Singh)
Menschen schlafen auf einem Wartegleis am Bahnhof in Banda, um der Hitze zu entkommen
(AP Photo/Rajesh Kumar Singh)

"Wir bekommen den Klimawandel ab"

Der Kampf um Erholung und Ruhe ist zu einem prägenden Merkmal des Sommers in Städten wie Banda geworden. "Der Klimawandel verschiebt den Durchschnitt", sagt Abhiyant Tiwari, Klima- und Gesundheitsexperte an der NRDC India, der Nationalen Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft mit Sitz in Neu Delhi. "Zwar war Banda schon immer für seine heißen Sommer bekannt, doch was sich derzeit verändert, sind die Intensität, die Dauer und die Zahl der Menschen, die gefährlichen Hitzebedingungen ausgesetzt sind." Hohe Nachttemperaturen seien besonders besorgniserregend, da sie Menschen daran hinderten, sich körperlich von der Hitze des Tages zu erholen.

Der oberste Regierungsvertreter in Banda erklärt, die Behörden hätten darauf reagiert, indem sie beispielsweise Kühlzentren eingerichtet und die Krankenhäuser während der Hitzewarnungen überwacht hätten. Zudem hätten die Behörden den Grundwasserspiegel, die Bodenfeuchte und den Vegetationsverlust im Blick und arbeiteten an einer Verbesserung der Wasserversorgung und der Sensibilisierung der Öffentlichkeit, sagt Amit Aasery, der Bezirksmagistrat von Banda. Doch die Möglichkeiten seien begrenzt. "Was hier passiert, ist ein globales Phänomen. Das liegt am Klimawandel. Wir bekommen ihn ab."

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