Müll bringt afrikanische Metropolen an Rand des Kolllaps | Weather.com
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Müll bringt afrikanische Metropolen an Rand des Kolllaps

Die Abfallberge wachsen so schnell, dass die Investitionen der Städte in Infrastruktur oft nicht ansatzweise Schritt halten können. Für die Bewohner sind vermüllte Straßen und Plätze längst auch eine gesundheitliche Gefahr. Mehr Recycling könnte die Lage entschärfen.

Viele Metropolen Afrikas ersticken im Müll. Laut Schätzung des UN-Umweltprogramms landen in Afrika mehr als 90 Prozent allen Mülls auf informellen Halden.
(AP)

Zwei Männer sitzen auf einem Hügel am Ende eines schmalen Weges in Kya Sands. Es ist kein natürlicher Hügel. Die Erhebung ist Teil eines riesigen Berges, der komplett aus illegal entsorgtem Müll besteht. Die Kapazitäten einer nahegelegenen kommunalen Deponie waren 2010 ausgeschöpft. Seitdem wird der Müll einfach in der Umgebung abgeladen. Ganze Straßen sind in dem Johannesburger Vorort inzwischen darunter begraben.

„Als ich 2021 als Bezirksrat anfing, war dieser Berg noch recht klein. Ich konnte sogar noch mit meinem Fahrzeug diese Straße entlang fahren“, sagt der südafrikanische Lokalpolitiker Devon Steenkamp der Nachrichtenagentur AP. „Jetzt ist es ein ziemlich hoher, großer Berg.

Ständig steigt irgendwo Rauch auf

Johannesburg ist eine von vielen Metropolen in Afrika, die das Müllproblem nicht in den Griff bekommen. Auch in anderen schnell wachsenden Städten wie Lagos, Dakar oder Accra wird weit mehr Müll erzeugt, als die Behörden einsammeln, recyclen oder sicher entsorgen können. Laut Schätzung des UN-Umweltprogramms landen in Afrika mehr als 90 Prozent allen Mülls auf informellen Halden. Und die Weltbank prognostiziert, dass im südlich der Sahara gelegenen Teil des Kontinents das Abfallaufkommen bis 2050 um 124 Prozent zunehmen wird.

Kinder müssen inmitten von Müll spielen

Auch in Alexandra, einem anderen, ebenfalls von Armut geprägten Vorort von Johannesburg, sind die Straßen voller Unrat. Ziegen suchen darin nach Futter, Bewohner bahnen sich auf Bürgersteigen ihre Wege durch Plastikverpackungen, Essensresten und Bauschutt. Die 75-jährige Linda Makole sorgt sich vor allem um die Gesundheit der Kinder, deren Familien in Alexandra so beengt leben, dass Gehwege und ein paar wenige Parks die einzigen Orte sind, an denen sie spielen können.

„Kleine Kinder können unmöglich gesund sein, wenn sie in diesem Umfeld aufwachsen“, sagt Makole der AP. „Mein Vermieter lädt einmal die Woche den Müll von allen Hausbewohnern auf einen Lastwagen und bringt ihn weg“, fügt sie hinzu. „Ich habe keine Ahnung, wo er ihn ablädt.“ Das städtische Entsorgungsunternehmen Pikitup hat in Johannesburg mehr als 2000 Hotspots für illegale Müllentladung identifiziert.

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Viele Bewohner haben aber offenbar kaum eine andere Wahl. Einige berichten, dass die öffentliche Müllabfuhr bei ihnen oft bis zu vier Wochen nicht vorbeikomme. Das erhöht die Nachfrage nach informellen Lösungen für den Abtransport. „Wenn die Stadtverwaltung den Hausmüll nicht abholt, dann rufen die Leute natürlich wen auch immer, der einen Lastwagen hat, an, der vorbeikommt und ihn mitnimmt“, sagt Carmen Jordaan, die das Unternehmen Whole Earth Recycling leitet.

Giftige Dämpfe durch illegale Verbrennung

Bryce McCall, ein ehemaliger südafrikanischer Springreiter, hat direkt neben seinem Anwesen, in dem er einen Reitstall und eine Imkerei betreibt, einen illegalen Müllberg in die Höhe wachsen sehen. „Früher hatte ich hier 70 Pferde. Heute sind es nur noch 28“, sagt er. „Die Kunden wollen nicht mehr hierher kommen.“ Das liege auch daran, dass innerhalb der Halde oft Müll verbrannt werde. „Nachts ist die Luft so giftig, dass man kaum atmen kann.“

Durch unkontrollierte Müllablagerungen würden auch Ungeziefer angelockt und im Falle von blockierten Regenwasserabflüssen steige das Risiko von Überschwemmungen, sagt Suzan Oelofse vom südafrikanischen Rat für wissenschaftliche und industrielle Forschung. Das Abfallaufkommen nehme so stark zu, dass die Investitionen in neue Infrastruktur der Entsorgungswirtschaft nicht mithalten könnten. „Es ist sehr, sehr nah an einem Kipppunkt“, betont die Expertin.

Ein großer Anteil könnte recycelt werden

Die Kapazitäten der kommunalen Deponien in Johannesburg reichen laut Oelofse im Durchschnitt nur noch für weniger als ein Jahr. Einfach neue anzulegen, sei schwierig, weil es kaum geeignete Flächen gebe und die gesetzlichen Auflagen streng seien. Bis zu 80 Prozent des in der Metropole anfallenden Mülls ließen sich theoretisch aber durch Recycling und Bioabfallverwertung umleiten, wenn der Müll an der Quelle sortiert würde, sagt sie.

Das Entsorgungsunternehmen Pikitup ist sich dessen bewusst und will die Recycling-Infrastruktur ausbauen sowie mit Abfallverwertern zusammenarbeiten. Laut der 35-jährigen Nomvula Phaliso, die in diesem Bereich tätig ist, helfen Müllsammler oft schon jetzt dabei, dass wiederverwertbares Material gar nicht erst auf den Halden landet. Sie bräuchten aber mehr Unterstützung, einschließlich einen besseren Zugang zu Mülltonnen, zu Verkaufsstellen, zu Schutzausrüstung und zu Lagerplätzen.

Aus Sicht der Recyclingunternehmerin Jordaan wäre auch ein allgemeines Umdenken in der südafrikanischen Bevölkerung erforderlich, um das Müllproblem in den Griff zu bekommen. Viele Menschen würden sich gar keine Gedanken darüber machen, was mit ihrem eigenen Müll geschehe, sagt sie. „Die Leute denken: Weg damit. Aber wo landet es?“

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