Museen wappnen sich wieder gegen Schädlinge | Weather.com
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Papierfischchen, Speckkäfer und Co: Museen wappnen sich wieder gegen Schädlinge

Regale in einer Bibliothek (Symbolbild)
Regale in einer Bibliothek (Symbolbild)
(Getty Images)

Die Fallen stehen und, wo nötig, sind die Ritzen in Regalen, an Fußleisten oder an Türen abgeklebt. Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe ist momentan ganz besonders in Habachtstellung. Denn die Saison hat begonnen - für Schädlinge, die in den Depots große Schäden anrichten können und sich, bleiben sie unbemerkt, rasant vermehren.

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"Wir sind immer hinterher, aber zwischen März und Oktober müssen wir besonders aufpassen", sagt Oliver Morr, Leiter des Referats Restaurierung/Konservierung am Landesmuseum. In den sieben jeweils etwa 150 bis 200 Quadratmeter großen Depots stehen etwa 150 Klebefallen und weitere 85 Klebefallen mit UV-Licht, um Schädlinge anzulocken und so Befall frühzeitig feststellen zu können.

"Diese Schädlinge verbreiten sich schnell"

Mithilfe der Klebefallen gehen die Mitarbeiter zum Beispiel auf Papierfischchenjagd. Die nachtaktiven Insekten sind klein und wuselig, lieben die Dunkelheit und mampfen oft unentdeckt im Stillen vor sich hin. Bevorzugt hausen sie in Archiven und Bibliotheken. Denn ihre Lieblingsspeise ist: Papier, beziehungsweise die in Papier enthaltene Zellulose.

"Diese Schädlinge verbreiten sich schnell und es ist schwer bis kaum möglich, sie zur Gänze wieder loszuwerden", erklärt Restauratorin Catrin Schuster von der Württembergischen Landesbibliothek (WLB). Das Papierfischchenproblem sei ein großes Thema - vor allem in den den Bibliotheken, Archiven und Museen im süddeutschen Raum.

Teppichkäfer, Holzkäfer, Speckkäfer

Neuzugänge für die Bibliothek aber auch ganz normale Lieferungen wie etwa Toilettenpapier oder Verpackungsmaterial würden daher immer kontrolliert: So drapieren Mitarbeiter etwa doppelseitiges Klebeband rund um eine angelieferte Palette. "Herauskrabbelnde Tiere bleiben daran haften und man erkennt einen Befall", erklärt Schuster. Vorbeugung, das sogenannte Integrated Pest Management (IPM/etwa: Integriertes Schädlingsmanagement) spiele seit vielen Jahren eine entscheidende Rolle bei der Bestandserhaltung, heißt es auch von der Badischen Landesbibliothek (BLB).

Papierfischchen - wenn es nur das wäre, sagt Morr. Mit zwölf Mitarbeitern kümmert er sich um rund 360.000 Objekte im Landesmuseum, darunter Textilien, Teppiche oder Werke aus Holz. Die Experten müssen auch ein Auge haben auf Motten, Teppichkäfer, Holzkäfer oder Woll- und Speckkäfer. "Letztere lieben Leder und Pelz", erläutert Morr. Notfalls müssen Objekte schockgefroren werden, bevor man sie ins Magazin bringt - als vorbeugende Maßnahme für den Fall, dass Schädlinge darin schon Eier abgelegt haben.

"Können Depots nicht insektenfrei halten"

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Alle drei Wochen kontrollieren Morrs Mitarbeiter nun die Fallen. Wenn die darauf festgeklebten Tierchen auf einen deutlichen Befall hinweisen, "muss man die Quelle suchen, die Objekte müssen notfalls sogar rausgenommen und behandelt werden", sagt Morr. Vor 20 Jahren habe man mit der Giftkeule hantiert. Heute bekommen stark befallene Objekte zum Beispiel eine Stickstoffbegasung in einer luftdichten Kammer. Dafür werden sie nach Hessen in das Freilichtmuseum Hessenpark gebracht. "Gottseidank kommt das ganz selten vor, weil wir so ein gutes Monitoring haben."

"Wir können Depots nicht insektenfrei halten", betont Benjamin Zech, Leiter des Instituts für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut (Ife) am Landesarchiv. Idealerweise hätten alle Archive IPM-Konzepte mit Fallen für Insekten oder Nagetiere und mit regelmäßigen Kontrollen. Papierfischchen seien nur eines von vielen Problemen bei den Debatten um Bestandserhaltung.

K​limawandel beeinflusst Schädlingsvorkommen

Laut Morr werden auch immer wieder neue, unbekannte Käfer im Badischen Landesmuseum abgefangen: Die haben sich dann in Transportkisten oder anderen Verpackungen verkrochen. "Die globale Vernetzung führt dazu, dass wir neue Insekten bekommen", sagt er. Der Klimawandel beeinflusse Schädlingsvorkommen in den Depots ebenfalls, konstante Temperaturen in den Depoträumen seien wichtiger denn je und nur mit Baumaterialien hinzubekommen, die langsamer auf Kälte und Wärme reagieren.

Sorgen bereiten Zech aktuell weniger mögliche Schädlinge als vielmehr etwa der Platzbedarf für die künftige Lagerung von Archivgut. Im Zuge der Umstellung auf die digitale Akte im Südwesten würden derzeit landesweit die Registraturen geleert. "Wenn wir davon auch nur ein Prozent in die Archive übernehmen, kommen da schon zig Regalkilometer zusammen", sagt er.

"Da kommt eine Bugwelle auf uns zu." Leider sei es schwer zu erklären, dass man immer mehr Lager brauche in Zeiten, in denen nur noch wenig gebaut werde. "Allein die Baumaßnahmen und die Energiekosten, das wird uns angesichts des Klimawandels empfindlich treffen."

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