US-Gewässer: Klimawandel bedroht Lebensraum von Walen und Delfinen | Weather.com
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US-Gewässer: Klimawandel bedroht Lebensraum von Walen und Delfinen

Ein Buckelwal springt aus dem Wasser.
( Foto: Jose Jacome/epa efe/dpa)

Steigende Temperaturen stellen Meeressäuger vor große Herausforderungen. Laut einer neuen Studie zu Populationen vor den Küsten Nordamerikas kann vor allem die Nahrungssuche erheblich schwerer werden. Experten fordern einen umso besseren Schutz der Tiere.

M​ehr als 70 Prozent sind gefährdet

Mehr als 70 Prozent sind gefährdet. Als Folge der Erwärmung des Wassers könnten sie ihren Lebensraum oder den Zugang zu Nahrung verlieren. Hinzu kommen Auswirkungen durch eine Verringerung der Menge an gelöstem Sauerstoff und sonstige chemische Veränderungen in den Ozeanen.

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Besonders betroffen sind einer umfassenden Untersuchung zufolge etwa Buckelwale und Atlantische Nordkaper, aber auch Zahnwale wie Delfine.

Forscher der US-Wetter- und Ozeanographiebehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) haben mehr als hundert Populationen von Meeressäuger-Arten unter die Lupe genommen.

D​ie Erkenntnisse seien düster

Die Studie, die im September in der Fachzeitschrift "Plos One" veröffentlicht wurde, gilt als die erste ihrer Art. Und sie zeigt, dass viele Maßnahmen zum Schutz von Walen, Delfinen und Robben angesichts des Klimawandels angepasst werden müssen.

Die Erkenntnisse seien düster, sagt Matthew Lettrich, Hauptautor der Studie. Doch sie könnten zugleich dazu beitragen, den Umgang mit den gefährdeten Tieren zu verbessern.

S​tark oder sogar sehr stark bedroht

"Das Klima verändert sich, und einige Auswirkungen können wir schon jetzt beobachten. Manche unserer Meeressäuger-Populationen sind angesichts der Veränderungen anfälliger als andere", betont der Biologe. Die Studie zeige aber, dass ein sehr großer Teil stark oder sogar sehr stark bedroht sei.

Das Team von Lettrich analysierte Bestände im westlichen Nordatlantik, im Golf von Mexiko und im Karibischen Meer. Die für die Tiere zuständige US-Behörde ist der Nationale Seefischereidienst NMFS (National Marine Fisheries Service), der sich um die "Verwaltung" und den Schutz der Meeresressourcen kümmert.

Der Fokus der Wissenschaftler lag darauf, wie sehr einzelne Arten bereits vom Klimawandel betroffen sind – und auf den jeweiligen Anpassungsfähigkeiten.

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass 72 Prozent der Populationen stark oder sehr stark anfällig für Folgen des Klimawandels sind – wobei knapp die Hälfte davon in die Kategorie "sehr stark" fiel.

S​teigende Wassertemperaturen als größte Gefahr

Die größte Gefahr ist laut der Studie, dass steigende Wassertemperaturen die Möglichkeiten der Meeressäuger zur Nahrungssuche beeinträchtigen und es folglich immer weniger Gebiete mit geeignetem Lebensraum gibt.

Die besondere Bedeutung der NOAA-Untersuchung liege darin, dass zum ersten Mal auf solch umfassende Art Meeressäuger in US-Gewässern betrachtet worden seien und auch versucht werde, Vorhersagen bezüglich der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu machen, sagt Regina Asmutis-Silvia, die als Biologin im US-Staat Massachusetts für die Organisation Whale and Dolphin Conservation arbeitet und nicht an der Studie beteiligt war.

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Die Tiere könnten von der Studie profitieren, wenn die Informationen genutzt würden, um neue Gesetze für einen besseren Schutz zu schaffen, fügt Asmutis-Silvia hinzu.

In kaum einem anderen Land gebe es so detaillierte Daten zu Meeressäugern wie in den USA, betont sie. "Aber ohne politischen Willen zur Umsetzung von Maßnahmen zur Handhabung sind Daten bedeutungslos."

Wie sich der Klimawandel auf das Leben von Walen auswirkt, ist in den vergangenen Jahren immer wieder wissenschaftlich untersucht worden.

Viele Studien seien aber auf bestimmte Arten oder auf enger begrenzte geografische Gebiete beschränkt gewesen, sagt Laura Ganley vom New England Aquarium in Boston.

Die Art, wie die riesigen Tiere von den Veränderungen beeinflusst würden, sei jedoch globaler Natur. Insofern sei der breitere Ansatz hilfreich.

D​ie meisten Populationen sind betroffen

"Es betrifft nicht nur Atlantische Nordkaper oder Große Tümmler. Es betrifft die meisten Populationen der USA", sagt die Expertin, die ebenfalls nicht an der NOAA-Studie beteiligt war.

In der Studie wird hervorgehoben, dass sich der Klimawandel auf die Verbreitung sowie auf bestimmte Verhaltensweisen von Meeressäugern auswirken könne, zumal viele Wale jedes Jahr Strecken von vielen Hundert Kilometern zurücklegen würden.

Hinsichtlich der Nahrungssuche könnten durch Erwärmung verursachte Veränderungen der Eigenschaften des Meerwassers etwa auch die Echoortung beeinträchtigen.

Es gibt Versuche, die Wallpopulationen besser zu schützen

Die US-Regierung hat in der Vergangenheit bereits mit verschiedenen Methoden versucht, die Walpopulationen vor den Küsten des Landes besser zu schützen.

Beispiele sind etwa zusätzliche Beschränkungen für die Fischereiwirtschaft oder Geschwindigkeitsbegrenzungen für Schiffe. Immer wieder sterben Wale, weil sie sich in Netzen verfangen oder weil sie mit Frachtschiffen kollidieren.

Und es gibt Hinweise darauf, dass beide Gefahren durch den Klimawandel größer geworden sind, da sich Wale wegen der Erwärmung der Ozeane zunehmend auch außerhalb von geschützten Bereichen bewegen.

D​ie Studie bietet Leitlinien

"Diese Studie bietet Leitlinien dafür, wie die Verantwortlichen diejenigen Arten, die für Klimafolgen besonders anfällig sind, priorisieren und ihnen die erforderliche Aufmerksamkeit zukommen lassen können", sagt Gib Brogan von der amerikanischen Umweltorganisation Oceana.

"Wenn wir die biologische Vielfalt erhalten wollen, einschließlich der Meeressäugetiere, dann müssen Ozeanmanager, wenn sie nach Wegen zum Schutz des marinen Lebens suchen, explizit auch aktuelle und künftige Veränderungen in den Meeren berücksichtigen."

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