Knut, Keiko und Co: Tierische Aushängeschilder für den Naturschutz | Weather.com
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Knut, Keiko und Co: Tierische Aushängeschilder für den Naturschutz

03.09.2002, Norwegen, Halsa: Schwertwal Keiko, Star des Kino Films "Free Willy", schwimmt durch den Skalvikfjord, ca. 400 km nordwestlich von Oslo. Der Orca ist ein Aushängeschild für den Schutz der Wale und Delfine.
(Foto: Kallestad/epa Scanpix Norge/dpa)

Als der kleine Eisbär Knut im März 2007 das erste Mal öffentlich im Berliner Zoo zu sehen ist, beginnt eine ungeahnte Karriere: Das Jungtier wird zum internationalen Medienstar, ein Symbol für den globalen Klimawandel.

Dass tierische Botschafter ins Rampenlicht geraten, kommt nicht von ungefähr. Vorzeige-Exemplare wie Knut können nach Einschätzung von Forschenden ein wichtiges Instrument sein, um in Politik und Gesellschaft ein neues Bewusstsein zu wecken: für mehr Umweltschutz und Verhaltensänderungen zum Beispiel.

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Häufig seien solche Tiere "mit eigenwilligen Merkmalen, hohem Kontakt zu Menschen und bemerkenswerten Lebensgeschichten oder Schicksalen verbunden", bilanzierte ein internationales Forscherteam um den Umweltbiologen Ivan Jaric von der Universität Paris-Saclay kürzlich in der Fachzeitschrift "Frontiers in Ecology and the Environment".

Eine kleine Auswahl:

Schwertwal Keiko:

Der Orca ist ein Aushängeschild für den Schutz der Wale und Delfine. Bekannt wird er als Hauptdarsteller der Blockbuster-Reihe "Free Willy".

In drei Filmen bewahren beherzte Jungen das Tier vor einem Leben im Vergnügungspark, vor den Folgen eines Tankerunglücks und vor der Weiterverarbeitung zu Sushi.

Schon kurz nach dem ersten Kinostart läuft 1993 in den USA eine Kampagne von Wissenschaftlern und Tierschützern an: Sie fordern Freiheit für eingesperrte Orcas, die größte Delfin-Art. Seinerzeit leben weltweit rund 40 von ihnen in Vergnügungsparks und Aquarien.

Keiko selbst soll damals nach zwei Jahrzehnten in Gefangenschaft über ein mehrere Millionen US-Dollar teures Auswilderungsprojekt wieder an ein Leben im offenen Meer gewöhnt werden.

Doch ganz in die Wildnis zieht es ihn nicht, er lässt sich weiter lieber von Menschen füttern. 2003 stirbt das Tier im Alter von 27 Jahren an einer Erkältung.

Nach Angaben der Stiftung zur Befreiung Keikos ist er damals der erste gefangen gehaltene Orca, der in seine Heimatgewässer rund um Island und Norwegen zurückkehrt - "eine historische Premiere".

Der britischen Naturschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation zufolge leben heutzutage noch mindestens 53 Orcas in Seeparks.

Eisbär Knut:

Kurz nach seiner Geburt Ende 2006 im Berliner Zoo lösen die Bilder des tapsig-flauschigen Knäuels eine weltweite "Knutomanie" aus. Das Tier beschert dem Zoo eine Zeit traumhafter Einnahmen in seiner fast 180-jährigen Geschichte und wird zum Symbol einer weltweiten Kampagne.

"Knut ist der Vertreter einer höchst bedrohten Tierart, die aber sehr populär ist", sagt beim ersten Knut-Auftritt der damalige Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz.

Der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) übernimmt die Patenschaft für den Eisbären. Für ihn symbolisiert kaum ein Tier die Folgen des Klimawandels deutlicher.

2008 wird Knut zum Maskottchen der Internationalen Artenschutzkonferenz in Bonn. Die Deutsche Post bringt eine Sonderbriefmarke mit 25 Cent Aufschlag für Umweltprojekte heraus.

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2007 wirbt Hollywood-Star Leonardo Di Caprio in einer Fotomontage auf dem Titelbild des US-Magazins "Vanity Fair" neben dem Berliner Eisbären für mehr Naturschutz. 2011 stirbt Knut an einer Gehirnentzündung, das Berliner Naturkundemuseum stopft ihn aus.

Das Team um den Umweltbiologen Jaric konstatiert für den Eisbären eine starke öffentliche und mediale Wirkung: Das Interesse für Klimawandel und Lebensraumverlust sei gestiegen - auch hinsichtlich der Finanzierung von Umweltprojekten.

Braunbär Bruno:

Nach 170 Jahren streift 2006 erstmals wieder das größte landlebende Raubtier Europas durch die bayerischen Wälder. Als Bruno auf der Suche nach Beute-Schafen Siedlungen zu nahe kommt, wird er abgeschossen.

Seine Bezeichnung als "Problembär" wird zum geflügelten Wort. Auch Bruno endet ausgestopft im Museum.

Brunos Schicksal erregt damals großes Medieninteresse, er schafft es bis in die "New York Times".

Tierschützer laufen vergebens Sturm gegen den Abschuss. Der Bär gilt weithin als tragisches Beispiel für den Konflikt zwischen Mensch und Wildtier. Als Resultat wird in Bayern ein Managementplan für Braunbären entwickelt, um ein konfliktarmes Nebeneinander zu ermöglichen. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF leben in Europa aktuell rund 17 000 Braunbären.

Schildkröte Lonesome George:

Die männliche Riesenschildkröte von den Galapagosinseln gilt lange Zeit als letzter Vertreter der Unterart Chelonoidis nigra abingdonii. Bis George Anfang der 1970er Jahre auf der Insel Pinta entdeckt wird, gilt seine Art als ausgestorben.

Für die Umwelt- und Artenschutzbewegung wird er zur Ikone. Er schärft den Blick auf den Lebensraum von Schildkröten und den Schutz der Galapagos-Inseln als Naturparadies.

Auf den Inseln rund 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors, die zum Unesco-Weltnaturerbe gehören, leben bis zu 50 000 teils sehr seltene Schildkröten. Zwischen 2007 und 2010 steht das Archipel auf der Liste der gefährdeten Naturerbe-Stätten.

Um Georges Unterart zu erhalten, werden über die Jahre mehrere Paarungsversuche mit nah verwandten Weibchen gestartet. Alle scheitern. 2012 stirbt der einsame George im Alter von rund 90 Jahren.

Bartgeier Wally:

Mehr als 140 Jahre sind Bartgeier in Deutschland ausgerottet, bevor im Juni 2021 die ersten Tiere im bayerischen Nationalpark Berchtesgaden in einem Wiederansiedlungsprogramm ausgewildert werden: die beiden Jungweibchen Bavaria und Wally.

Die Aasfresser mit knapp drei Metern Flügelspannweite zählen zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Eine Webcam an der Felsnische mit den künstlichen Nestern überträgt damals die Aufnahmen in alle Welt.

Das Medieninteresse ist groß, die Namensgebung öffentlich. In Deutschland ausgestorbene Tierarten rücken in den Fokus.

Bevor 2022 zwei weitere Tiere ausgewildert werden, entdecken Kletterer Wallys Kadaver. Der Vogel wurde wahrscheinlich von einem Steinschlag getötet.

Im Sommer 2023 kommt in einer dritten Auswilderung in Deutschland erstmals ein Männchen in die freie Natur. Aktuell leben nach Schätzung der Schweizer Organisation Pro Bartgeier 220 Exemplare in den Alpen.

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