Tote Robben vor Rügen: Strafbefehle gegen Fischer | Weather.com
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Tote Robben vor Rügen: Strafbefehle gegen zwei Fischer

Die Todesserie von Robben vor der Küste Rügens hatte im Herbst 2024 für Schlagzeilen gesorgt. Nun sind gegen zwei beschuldigte Männer Strafbefehle erlassen worden.

ARCHIV - 21.11.2024, Mecklenburg-Vorpommern, Stralsund: Experten des Deutschen Meeresmuseums untersuchen eine Kegelrobbe. Im Oktober 2024 waren etwa 40 tote Robben an Rügens Küste aufgetaucht - laut Deutschem Meeresmuseum mehr als im gesamten Jahr 2023 an der ganzen Küste von Mecklenburg-Vorpommern. (zu dpa: «Tote Robben vor Rügen: Strafbefehle gegen zwei Fischer») Foto: Stefan Sauer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Experten des Deutschen Meeresmuseums untersuchen eine Kegelrobbe. Im Oktober 2024 waren etwa 40 tote Robben an Rügens Küste aufgetaucht.
(Stefan Sauer/dpa)

Tote Robben vor Rügen: Der Fund von mehr als 40 toten Robben an Rügens Küste im Herbst 2024 hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Untersuchungen schlossen einen natürlichen Tod aus, Experten hielten ein Ertrinken in Netz oder Reuse für wahrscheinlich. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Stralsund Konsequenzen gezogen: Gegen zwei Fischer der Insel wurden Strafbefehle erlassen.

Kegelrobben sind geschützt

Die Männer sind 43 und 66 Jahre alt und sollen in der Nähe des Thiessower Hakens eine Schwimmreuse betrieben haben. Nach Darstellung der Ermittler erkannten sie bei Kontrollen, dass besonders geschützte Kegelrobben auf Nahrungssuche in das Fanggerät gerieten und darin starben. Trotzdem sollen sie keine geeigneten Schutzmaßnahmen umgesetzt haben. Die Staatsanwaltschaft macht die beiden für den Tod von mindestens fünf Kegelrobben verantwortlich.

Was werfen die Ermittler den Fischern konkret vor?

Die Staatsanwaltschaft sieht einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Der Kernvorwurf lautet, dass die Fischer trotz Kenntnis des Risikos nichts unternommen hätten, um zu verhindern, dass Kegelrobben in die Schwimmreuse schwimmen und darin ersticken. Der Vorwurf lautet: Schutzmaßnahmen wurden unterlassen, obwohl das Problem bekannt war.

Welche Strafe droht und was passiert als Nächstes?

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Die Strafbefehle sehen Geldstrafen in Höhe von jeweils drei Monatsgehältern vor. Wichtig ist dabei die Frist: Wenn die Beschuldigten nicht binnen zwei Wochen widersprechen, werden die Strafbefehle rechtskräftig. Legen sie Einspruch ein, kommt es zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht. Ohne Widerspruch sind die Geldstrafen nach zwei Wochen bindend.

Warum sind nicht alle Robbenfälle juristisch zuzuordnen?

Im Oktober 2024 wurden binnen kurzer Zeit mehr als 40 tote Robben gefunden, doch nicht jeder Fall lässt sich eindeutig einem konkreten Fanggerät oder einem bestimmten Geschehen zuordnen. Laut Staatsanwaltschaft war es nur in fünf Fällen möglich, einen direkten Zusammenhang zwischen dem Tod der Tiere und dem Handeln der Fischer nachzuweisen.

Welche Folgen hat das Robbensterben für die Fischerei an der Küste?

Der Fall hatte bereits politische Konsequenzen. Der Schweriner Umwelt- und Fischereiminister Till Backhaus (SPD) erließ nach der Häufung der Todesfälle Sofortmaßnahmen: Größere Fischreusen dürfen an der gesamten Küste nur noch mit speziellen Robbenschutzvorrichtungen aufgestellt und betrieben werden. Seit den Sofortmaßnahmen sind Robbenschutzvorrichtungen für große Reusen verpflichtend.

Warum ist der Fall auch ein Signal über Rügen hinaus?

Tote Robben vor Rügen stehen für einen Konflikt, der sich an vielen Küsten zeigt: Artenschutz trifft auf traditionelle Erwerbsfischerei und technische Details entscheiden über Leben und Tod geschützter Tiere. Der aktuelle Schritt der Justiz macht klar, dass nicht nur das absichtliche Töten, sondern auch das Unterlassen wirksamer Schutzmaßnahmen strafrechtliche Folgen haben kann.

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