Indische Wanderimker kämpfen mit Klimawandel | Weather.com
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Indiens Wanderimker profitieren vom wachsenden Appetit auf Honig

Sie ziehen mit ihren Bienenstöcken von Feld zu Feld, produzieren Honig und helfen bei der Bestäubung von Anbaupflanzen. Es ist ein anstrengender Job - und der Klimawandel macht ihn noch härter.

Mit westlichen Honigbienen verdienen indische Wanderimker ihr Geld – allerdings werden diese zum Problem für einheimische Bienenarten
(dpa)

Indische Imker stehen auch im Winter früh auf. Sie sind weit gereist, um die Wintermonate in den leuchtend gelben Senffeldern von Assam zu verbringen. Deshalb müssen sie dafür sorgen, dass sich der lange Weg auch lohnt. Ein einfaches Frühstück im Morgengrauen ist ihre einzige Mahlzeit bis zum Anbruch der Dunkelheit. Den ganzen Tag über sind sie damit beschäftigt, die Bienenstöcke zu kontrollieren und sie auszuräuchern, um die Insekten zu vertreiben, damit die reich gefüllten goldenen Waben dann im Ausland verkauft werden können.

Stiche gehören zum harten Alltag

Es ist eine anstrengende Arbeit. Bienenstiche gehören zum Alltag. Nachts lassen sich die Arbeiter unter blauen Planen nieder und denken an ihre Familien, die sie manchmal für Monate zurückgelassen haben, um ihre hölzernen Bienenkästen an diesen Ort zu bringen. Aber die Ernte ermöglicht es ihnen, finanziell über die Runden zu kommen. "Ich verdiene mein Einkommen damit, deshalb verfolge ich dieses Geschäft", sagt Karan Raj, ein Imker aus Bihar.

Bedrohung durch den Klimawandel

Seit Jahrzehnten ziehen Wanderimker in Indien mit ihren Bienenvölkern von Feld zu Feld und folgen der Blüte der Blumen, um den Bauern bei der Bestäubung zu helfen und Honig zu sammeln. Diese Praxis ist im Bundesstaat Assam relativ neu, kommt aber immer häufiger vor: Örtliche wie auch wandernde Bienenhalter sehen eine wachsende Nachfrage nach Honig und arbeiten mit Senfbauern zusammen, um den Bedarf zu decken. Doch der Klimawandel wird zur Bedrohung. Die Imker sind mit Überschwemmungen, stärkeren Monsunregenfällen und extremer Hitze konfrontiert. "Wenn das Wetter gut ist, ist auch die Produktion gut. Wenn das Wetter schlecht ist, gibt es keine Produktion. Das Wetter hat einen Einfluss. Das Wetter muss gut sein", sagt der Imker Ranjeet Kumar. 

"Das Regenmuster verändert sich"

Assam - östlich von Bangladesch und südlich des Himalaya - ist eine Region, in der die von Menschen verursachte Erderwärmung bereits Katastrophen ausgelöst hat, weil sie zu unregelmäßigen, aber intensiveren Niederschlägen führt. Überschwemmungen und Erdrutsche im Jahr 2024 haben mehr als 100 Menschenleben gefordert, und viele Bauern mussten zusehen, wie ihre Ernten zerstört wurden. Wiederholt waren sie zur Evakuierung gezwungen.  "Das Regenmuster verändert sich", sagt Mukul Kumar Deka, der an der Agraruniversität Assam Honigbienen und andere Bestäuber erforscht. Wenn es zu lange zu trocken ist, gibt es weniger Nektar. Wenn es zu heiß oder zu regnerisch ist, bleiben die Insekten in ihren Bienenstöcken. Laut einer Studie des Madhya Kamrup College von 2025 in Assam gibt es in diesem Bundesstaat heute über 20 Hitzewellen-Tage mehr als noch vor zehn Jahren, und sowohl die durchschnittlichen Höchst- als auch die nächtlichen Tiefsttemperaturen sind um etwa zwei Grad Celsius gestiegen. "Heutzutage erhalten die meisten Bauern weniger Honig", sagt Deka.

Örtliche und westliche Bienen unterschiedlich betroffen

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Wanderimker arbeiten in der Regel mit westlichen Honigbienen, während traditionelle Züchter örtliche Bienenarten halten. Letztere sind aber in manchen Fällen stärker bedroht, sowohl auf Grund extremer Wetterbedingungen als auch menschlicher Entwicklungsprojekte wie Autobahnen, die ihre Lebensräume durchziehen. "Die Zahl der Bienen, die in den Bäumen leben, die im Wald leben, ist drastisch zurückgegangen", sagt Raj. Die westlichen Bienen dagegen "füttern wir mit Zucker und züchten sie, und deshalb überleben sie, solange wir uns um sie kümmern". 

Dass immer mehr Wanderimker nach Assam kommen und kommerzielle Honigbienen mitbringen, könnte sich zu einer Konkurrenz für Kleinbauern auswachsen, die zum Broterwerb zunehmend selbst auf die Imkerei setzen. "Wenn wir versuchen, die westliche Honigbiene in größerer Zahl zu züchten, wird das ein Problem für unsere einheimischen Arten", sagt Deka.

Zuversicht trotz Herausforderungen

Einige Förderprogramme ermutigen jedoch weiterhin dazu, lokale Bienen zu züchten, und das ist besonders für Kleinbauern, die unterhalb der Armutsgrenze leben, von entscheidender Bedeutung. Sie verdienten zusätzliches Geld durch Honigprodukte, und zugleich werde auch die Bestäubung von Anbaupflanzen verbessert, was die Ernteerträge erhöhe, sagt Sujana Krishnamoorthy von der Under the Mango Tree Society, einer gemeinnützigen Organisation, die solche Agrarunternehmer in Sachen Imkerei ausbildet. Das zusammen mache sie finanziell auch etwas widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels. 

Insgesamt gehen Experten davon aus, dass die Imkerei trotz der Herausforderungen durch den Klimawandel fortdauern wird. In einigen Fällen subventioniert die Regierung auch Ausrüstung für dieses Gewerbe, wie Deka sagt. "Es mag Höhen und Tiefen geben, aber letztendlich wird die Imkerei hier Bestand haben."

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