Plastik verseucht Ozeane: Wie es in die Weltmeere gelangt | Weather.com
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Plastik verseucht Ozeane: Wie es in die Weltmeere gelangt

Der Müll in den Meeren bedeutet für viele Tiere den Tod - diese Robbe hat Glück, rechtzeitig gefunden zu werden.
(Getty Images)

In den Weltmeeren hat sich jede Menge Plastikmüll angesammelt – diese Tatsache dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Doch wie gelangen die vielen Abfälle eigentlich in die Ozeane? Eine wesentliche Rolle dabei spielen wohl Flüsse, die so vermüllt sind, dass sie den Meeren auch nach einem Plastikstopp jahrelang Müll zuführen würden. Ein Forschungsprojekt an der Universität Birmingham in Großbritannien will nun genaue Details dazu untersuchen. Im Rahmen des 100 Plastic Rivers Project werden die Auswirkungen von Plastikmüll auf Flusssysteme auf der ganzen Welt analysiert.

Die Weltmeere als Müllkippe

In der modernen Welt ist Plastik allgegenwärtig. Das gilt auch für den Müll: Rund 26 Millionen Tonnen Plastikabfälle entstehen in den Ländern der Europäischen Union (EU) jedes Jahr. Das ist etwa ein Viertel aller Kunststoffabfälle weltweit. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil davon wird bisher wiederverwertet. Ein weit größerer Anteil landet auf Deponien, in der Müllverbrennung oder im schlimmsten Fall in der freien Natur.

10 Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich ins Meer

Besonders dramatisch ist die Situation in den Weltmeeren, in denen sich bis heute zig Millionen Tonnen Plastikmüll angesammelt haben. Bis zu 10 Millionen Tonnen kommen Schätzungen zufolge pro Jahr dazu.

Abfall setzt giftige Stoffe frei

Für die Umwelt ist das ein riesiges Problem: Meerestiere verheddern sich in den Abfällen oder fressen sie und kommen qualvoll ums Leben. Bei der Zersetzung, die mehrere hundert Jahre dauern kann, werden giftige Zusatzstoffe freigesetzt. Darüber hinaus reicht sich Mikroplastik, das sind Kunststoffpartikel mit einer Größe von unter fünf Millimetern, in der Nahrungskette an und landet so schließlich auch beim Menschen.

Weltweite wissenschaftliche Kooperation

Zahlreiche Medienberichte und nicht zuletzt das vor einiger Zeit von der EU beschlossene Verbot von Einwegplastik haben das öffentliche Bewusstsein für die Situation in den Ozeanen geschärft. Kaum bekannt ist aber bisher, wie der viele Müll dorthin gelangt.

Auch Flüsse werden verdreckt

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Wissenschaftler vermuten, dass Flüsse dabei eine wesentliche Rolle spielen – welche Wege die Kunststoffabfälle dort zurücklegen, welche Schäden sie anrichten und wie lange sie in den Flusssystemen verbleiben ist jedoch auf globaler Ebene bisher kaum erforscht. Genau hier setzt das 100 Plastic Rivers Project der Universität Birmingham in Großbritannien an.

Forscher steuern globalen Überblick an

Mithilfe von Wissenschaftlern in zahlreichen Ländern sammelt das Projekt Wasser- und Sedimentproben aus Flusssystemen auf der ganzen Welt. Neu daran ist, dass erstmals eine standardisierte Methode für die Probenentnahme und -analyse zum Einsatz kommt. „Mit diesem einheitlichen Ansatz erhoffen wir uns ein globales Bild davon, wie viel Plastik sich weltweit in Flüssen befindet und welche Mengen neu hinzukommen“, erläutert Stefan Krause, Professor an der School of Geography, Earth and Environmental Sciences an der Universität Birmingham.

Auch Nahrungskette soll erforscht werden

Das Projekt hat zwei Schwerpunkte: Zum einen wollen die Forscher ermitteln, in welcher Größenordnung Plastikmüll über Flüsse in die Meere getragen wird und wie viel davon in den Flüssen und Flussablagerungen verbleibt. „Der Transport, und damit auch Rückhalt von Mikroplastik unterliegt in Flüssen beispielsweise ganz anderen Mechanismen als im Meer“, sagt Ökohydrologe Krause.

Zum anderen soll das Projekt zeigen, wie sich die Plastikverschmutzung auf die Ökosysteme in den Flüssen auswirkt, etwa wenn das Plastik in die Nahrungsketten im Wasser aufgenommen und darin weitergegeben wird. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die bessere langfristige Vernetzung von Süßwasser- und Meeresforschern. Generell entwickle sich das Bewusstsein für die Bedeutung von Plastikeingängen in die Meere durch Flüsse nur sehr langsam, so Krause.

Düstere Aussichten: Plastikflut wirkt noch Jahrzehnte nach

Tatsächlich wird es höchste Zeit, mehr Wissen über die Umweltauswirkungen von Plastik zu sammeln und entsprechende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen zu ziehen. Allein in Flüssen haben sich Krause zufolge schon heute riesige Mengen an Plastik angesammelt.

Der Wissenschaftler schätzt, dass der Eingang von Plastik in die Weltmeere für mindestens einige Jahrzehnte andauern würde, wenn die Herstellung von Plastik auf der ganzen Welt sofort gestoppt würde: „Allerdings sind die Verweilzeiten in aquatischen Ökosystemen − wie lange also Flüsse der Verschmutzung durch Plastikmüll ausgesetzt bleiben – bisher noch ein großes schwarzes Loch.“

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