Luft in Sachsen-Anhalt wird immer sauberer | Weather.com
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Luft in Sachsen-Anhalt wird immer sauberer - dank Kohleausstieg

ARCHIV - 18.11.2020, Nordrhein-Westfalen, Bergheim: Dampf steigt aus dem Braunkohlekraftwerk Niederauflem des Energieversorgungskonzerns RWE bei Bergheim hinter Strommasten. (zu dpa "Kohle lˆst Windkraft als wichtigste Quelle f¸r Stromerzeugung ab") Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Luftqualität in Deutschland hat sich unter anderem aufgrund der Reduzierung von Kohlekraftwerken deutlich verbessert.
(Oliver Berg/dpa)

Sachsen-Anhalt kann durchatmen - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Luftqualität hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur in diesem Bundesland, sondern in ganz Deutschland flächendeckend deutlich verbessert.

Die Schadstoffwerte sind in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 99 Prozent gesunken. Das geht aus Daten des Umweltbundesamtes und des Lufthygienischen Überwachungssystems Sachsen-Anhalt (Lüsa) hervor.

Die letzten Überschreitungen seien 2017 gemessen worden, erklärt Torsten Bayer, Leiter des Lüsa.

S​achsen-Anhalt hat Ziel bereits erreicht

Beispiel Feinstaub mit der Partikelgröße zehn Mikrometer oder weniger: Wurden 1996 in Dessau noch Jahresmittelwerte von 86 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen, war der höchste gemessene Jahresmittelwert Sachsen-Anhalts 2023 in Halle (Paracelsusstraße) zu finden.

Hier wurden 20 Mikrogramm pro Kubikmeter ermittelt - ein Minus von etwa 77 Prozent.

Deutliche Verbesserung beim Feinstaub

Doch wie sieht es bei feinerem Feinstaub der Partikelgröße 2,5 Mikrometer und kleiner aus? Im Vergleich zu den größeren Partikeln könnten diese tiefer in die Lunge vordringen, so Bayer. Demzufolge seien sie auch entsprechend schädlicher für die Gesundheit.

Wurde im Jahr 2010 in Magdeburg etwa noch ein Jahresmittelwert von 24 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen, waren es 2023 an der am höchsten belasteten Station des Landes (Halle) nur noch 8,8 (minus 63 Prozent).

A​uch Stickstoffoxid sinkt

Bei einem Blick auf die Jahresmittelwerte von Stickstoffdioxid (NO2) ist eine ähnliche Verbesserung sichtbar. So wurde im Jahr 1996 etwa in Weißenfels noch eine NO2-Konzentration von 58 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. 2023 waren es in Halle nur noch 26 Mikrogramm pro Kubikmeter (minus 55 Prozent) und auf dem Brocken sogar nur 2,1 (minus 96 Prozent im Vergleich zu 1996) im Jahresmittel.

Erlaubt sind derzeit 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, ab 2030 darf der Jahresmittelwert laut neuer EU-Verordnung die 20 nicht mehr überschreiten. Der künftige Grenzwert werde derzeit noch an zwei Messstellen in Sachsen-Anhalt überschritten, so Bayer. Doch wenn die Werte weiter sänken wie bisher, "werden wir 2030 möglicherweise kein Problem haben".

W​eniger Kohlekraftwerke

Für Schwefeldioxid (SO2) wurde im Jahr 1983 in Weißenfels noch ein Jahresdurchschnitt von 560 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. 2023 ist der Wert - sogar am Chemiestandort Leuna - auf 3,2 Mikrogramm pro Kubikmeter gesunken (minus 99,4 Prozent).

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Die Ursache: Für SO2 gebe es mittlerweile nicht mehr viele Quellen, erklärt Bayer. So seien viele Kohlekraftwerke vom Netz gegangen und die verbliebenen so modern, dass dort kaum mehr SO2 entstehe. Damit sei der ab 2030 geltende Jahresmittelgrenzwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter bereits weit unterschritten.

K​ohleausstieg & technologischer Fortschritt als Grund

Quellen für Luftschadstoffe sind unter anderem Verkehr, Energie- und Wärmeerzeugung, Industrie, Landwirtschaft sowie die Holzverbrennung im Kamin. Feinstaub entstehe jedoch auch durch Streusalz im Winter sowie Reifen-, Brems- und Straßenabrieb, sagt Bayer. Das betreffe auch E-Autos, Busse, Straßen- und Eisenbahnen.

Hinzu kämen natürliche Feinstaubquellen, die man nicht vermeiden könne. Als Beispiele nennt der Experte den mit dem Wind nach Europa getragenen Saharastaub oder Brände. Doch auch bei der Ernte oder der Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft entstünde Staub.

Als Gründe für die Verbesserung der Luftqualität nennt der Experte anderem den Kohleausstieg sowie technologischen Fortschritt in Industrie sowie bei den Verbrennungsmotoren. "Viele alte Dieselfahrzeuge sind heute nicht mehr auf den Straßen unterwegs." Doch auch moderne Öfen, Umweltzonen sowie Umgehungsstraßen, die den innerstädtischen Verkehr entlasteten, hätten Wirkungen gezeigt.

Zahl der Todesfälle durch Luftschadstoffe in Deutschland nimmt ab

Die Verbesserung der Luftqualität wirkt sich auch auf die Sterbezahlen in Deutschland aus. Starben nach Schätzungen der Europäischen Umweltagentur im Jahr 2005 noch rund 21.200 Menschen verfrüht wegen der Stickstoffdioxid-Belastung in der Luft, waren es 2021 etwa 9500 (minus 55 Prozent). Auch bei den verfrühten Todesfällen durch Feinstaub (PM2,5) ist ein ähnlicher Rückgang zu verzeichnen.

Derweil hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung untersucht, wo die Menschen am zufriedensten sind. Ein Ergebnis vom "BiB.Monitor Wohlbefinden 2024": in Städten mit guter Luft. Eine hohe Feinstaubbelastung wirke sich laut Analyse hingegen negativ auf die Zufriedenheit aus.

Sachsen-Anhalt betreibt derzeit 23 Luftmessstationen an verschiedenen Orten, mit denen unter anderem Feinstaub-, Stickstoffdioxid-, Schwefeldioxid- und Kohlenmonoxidwerte gemessen werden. Grob gilt: In Städten und Ballungsräumen herrscht eine höhere Schadstoffkonzentration als auf dem Land.

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