Singapur macht vor, wie grüne Städte gelingen | Weather.com
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Grüne Architektur gegen die Klimakrise

Grüne Architektur zeigt in Singapur Wirkung. Diese vier Beispiele sind echte Vorbilder für deutsche Städte.

Grüne Architektur ist in Singapur mehr als Trend – sie ist gelebte Strategie gegen die Klimakrise. Die Stadt zählt heute zu den grünsten Metropolen weltweit: Hier eines der Vorzeigebeispiele, das Parkroyal Collection Pickering Hotel
(Singapore Tourism Board)

Singapurs grüne Architektur ist mehr als nur ästhetisch ansprechend, sie ist eine konkrete Antwort auf die Klimakrise. Vertikale Gärten kühlen Gebäude natürlich, grüne Korridore verbinden Stadtteile, und multifunktionale Parks verbessern die Luftqualität. Diese Konzepte sind keine Utopie, sondern bereits Realität – und sie funktionieren.

Die Botschaft aus Singapur ist klar: Grüne Stadtplanung ist nicht nur möglich, sondern notwendig. Von Fassadenbegrünung an Hotels bis zu stillgelegten Bahntrassen, die zu grünen Oasen werden, diese vier beeindruckenden Projekte zeigen, wie auch deutsche Städte von Singapurs Erfahrungen profitieren können.

1. Parkroyal Collection Pickering – Das Hotel als vertikaler Garten

15.000 Quadratmeter Grün- und Wasserfläche: Die Rede ist von keinem Park, sondern dem Parkroyal Collection Pickering – einem luxuriösen 5-Sterne-Eco-Hotel. Das Gebäude scheint auf mehreren Etagen inmitten hängender Gärten zu schweben, die nicht nur optisch beeindrucken und dem Gebäude sein charakteristisches Aussehen verleihen, sondern aktiv zur Klimaregulierung beitragen. Die Architektur des Hotels funktioniert wie ein atmendes Ökosystem: Regenwasserspeicher sammeln Niederschläge, die zur Bewässerung der Pflanzen genutzt werden und den Wasserverbrauch erheblich reduzieren. Natürliche Belüftungssysteme minimieren den Energiebedarf für Klimatisierung, während die üppigen, bepflanzten Fassaden als natürliche Filter wirken und jährlich rund 60 Tonnen Kohlendioxid binden.

„Biophilie ist nicht nur eine Designstrategie – sie ist eine kulturelle Neuorientierung", erklärt der singapurische Architekt Chang Huai-Yan. Im Parkroyal wird dieses Prinzip konsequent umgesetzt: Das Hotel verbraucht deutlich weniger Energie als vergleichbare Gebäude und schafft gleichzeitig eine grüne Oase im urbanen Raum. Ein Konzept, das auch für deutsche Städte interessant sein könnte, wo Hitzeinseln in dicht bebauten Innenstädten zunehmend zum Problem werden.

Was Deutschland lernen kann: Vertikale Begrünung lässt sich auch bei Neubauten oder Sanierungen integrieren und hilft, Gebäude natürlich zu kühlen.

2. Gardens by the Bay – Die ikonischen Supertrees

Sie sind das Wahrzeichen Singapurs und gleichzeitig ein Meisterwerk nachhaltiger Stadtplanung: Die Supertrees in den Gardens by the Bay ragen bis zu 50 Meter in die Höhe und sind weit mehr als nur ein spektakulärer Anblick. Die vertikalen Gärten sammeln Regenwasser, das zur Bewässerung genutzt wird, erzeugen über Solarpanels Strom und kühlen die Umgebungsluft um bis zu vier Grad Celsius.

Die Supertrees zeigen eindrucksvoll, wie Technologie und Natur Hand in Hand gehen können. Sie dienen als Habitate für verschiedene Pflanzenarten, verbessern die Luftqualität und schaffen ein angenehmes Mikroklima. Chang Huaiyan betont, dass in der Stadt der Zukunft nicht allein der Mensch im Mittelpunkt stehen dürfe, sondern das Zusammenspiel des gesamten Ökosystems.

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Was Deutschland lernen kann: Innovative grüne Infrastruktur kann multifunktional sein – sie kühlt, produziert Energie und wird zum Anziehungspunkt für Besucher.

3. MacRitchie Reservoir – Tropischer Regenwald mitten in der Metropole

Nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt das MacRitchie Reservoir – ein Wasserspeicher, der von dichtem Regenwald umgeben ist. Der TreeTop Walk, ein 250 Meter langer Baumwipfelpfad, ermöglicht Besuchern einen einzigartigen Blick auf das grüne Kronendach und zeigt, wie Natur und urbane Infrastruktur harmonieren können.

Das Reservoir dient nicht nur der Wasserversorgung, sondern auch als wichtiger Erholungsraum für die Stadtbevölkerung. „Natur kann in jedem Akt des Lebens präsent sein", sagt Chang Huai-Yan. Das MacRitchie Reservoir beweist, dass auch in dicht besiedelten Städten Raum für Natur geschaffen werden kann – mit positiven Effekten für Biodiversität, Klima und Lebensqualität.

Was Deutschland lernen kann: Grünflächen und Wasserreservoirs lassen sich so gestalten, dass sie sowohl ökologische als auch soziale Funktionen erfüllen.

4. Rail Corridor – Vom Schienenstrang zur grünen Lebensader

Wo früher Züge durch Singapur rollten, schlängelt sich heute ein grüner Wanderweg durch die Stadt: Der Rail Corridor ist ein 24 Kilometer langer ehemaliger Bahnstrang, der in eine begrünte Fuß- und Radwegverbindung umgewandelt wurde. Dichter Dschungel hat die ehemalige Bahntrasse zurückerobert und verbindet nun verschiedene Stadtteile miteinander.

Der Corridor zeigt, wie stillgelegte Infrastruktur eine zweite Chance bekommen kann. Er dient als grüner Korridor für Tiere und Pflanzen, bietet Erholungsraum für Menschen und trägt zur Vernetzung von Grünflächen bei. Eine zukunftsfähige Stadt, so Chang Huaiyan, werde nicht mehr ausschließlich für Menschen entworfen, sondern müsse auch die Bedürfnisse anderer Lebewesen berücksichtigen.

Was Deutschland lernen kann: Auch brachliegende Bahntrassen oder Industrieflächen können zu wertvollen grünen Verbindungen umgestaltet werden – wie etwa die Berliner Gleisdreieck-Parks zeigen.

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