Trockenheit in Tiefe der Böden angekommen | Weather.com
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Oben feucht, unten trocken: Was der Boden über Wasserverfügbarkeit in Deutschland verrät

Das Frühjahr 2026 war regional sehr unterschiedlich nass – und der Blick auf den Niederschlag allein täuscht. Ein Dürreexperte erklärt, warum der Boden aktuell ein Problem hat und was das für Wald, Flüsse und die Wasserversorgung bedeutet.

23.07.2019, Brandenburg, Senftenberg: Ausgetrocknet ist das Flussbett der Schwarzen Elster. Seit Wochen fehlt der Regen in vielen Regionen Brandenburgs. Das Wasser in den Seen und Flüssen wird immer knapper. Einige Flüsse führen extremes Niedrigwasser. Die Schwarze Elster zwischen Kleinkoschen und Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) ist auf einer Länge von etwa fünf Kilometern komplett ausgetrocknet. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Im vergangenen Jahr waren die Böden in Deutschland hauptsächlich oberflächlich ausgetrocknet – in diesem Sommer ist die Trockenheit auch in der Tiefe angekommen

Der Deutsche Wetterdienst hat das Frühjahr 2026 als deutlich zu trocken eingestuft. Bundesweit erreichte die Niederschlagsmenge nur 68 Prozent des langjährigen Mittels der Referenzperiode 1961 bis 1990 und gegenüber 1991 bis 2020 waren es rund 74 Prozent. Um die Frage nach einer bevorstehenden Dürre zu beantworten, greife diese Zahl jedoch zu kurz, sagt Andreas Marx, Leiter Mitteldeutsches Klimabüro, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Betreiber des UFZ-Dürremonitors. „Es war regional extrem unterschiedlich.“

Tatsächlich gab es Regionen, die sogar nasser als üblich waren – etwa das nördliche Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern im April oder ein Streifen von Nordrhein-Westfalen bis ins Vogtland im Mai. Im Süden Deutschlands, ab Frankfurt aufwärts und in Teilen Bayern herrschte tatsächlich teils extreme Trockenheit.

Wenig Regen heißt noch lange nicht trockener Boden – oder?

Fehlende Jahresniederschläge mit Wasserknappheit gleichzusetzen, sei „für den Wasserhaushalt außerdem Unsinn“ – denn neben dem Niederschlag spielten auch Verdunstung und Abfluss eine Rolle, und das sei kein lineares System, betont Marx.

Wer nur auf den Niederschlag schaut, kann laut Marx keine Aussage darüber treffen, wie es um die Böden bestellt ist. „Der Oberboden – also die obersten 25 Zentimeter – ist in weiten Teilen Deutschlands aktuell gut gesättigt“. sagt Marx. „Wenn es nach einer Trockenpause für etwa fünf bis zehn Tage regnet, ist der Oberboden schnell wieder durchfeuchtet“, erklärt Marx.

Gesamtboden bis zwei Meter Tiefe ist entscheidend

Im Gesamtboden bis zwei Meter Tiefe sehe es hingegen ganz anders aus, sagt er. Da zeigen die Daten des UFZ-Dürremonitors derzeit ein klares Bild: „Es ist in eigentlich allen Ecken Deutschlands zu trocken", sagt Marx. Diese Unterscheidung von Ober- und Gesamtboden sei wichtig, wenn man über Trockenheit bis hin zur Dürre spreche.

Kann sich der Gesamtboden noch erholen?

Die trockenen Böden in der Tiefe würden nicht allein auf ein gebietsweises zu trockenes Frühjahr zurückgehen. Vielmehr ziehe sich die Trockenheit bereits aus dem vorangegangenen Herbst und Winter, in denen es unterdurchschnittliche Niederschläge gab.

Schon im vergangenen Jahr fiel das Frühjahr niederschlagsarm aus und es stand die Sorge vor einem Dürresommer im Raum. „Allerdings war die Ausgangslage des Bodens 2025 eine ganze andere“, betont Marx. Die Böden seien im vergangenen Jahr nur oberflächlich ausgetrocknet, während sie in der Tiefe gut durchfeuchtet waren – also genau andersherum als in diesem Jahr.

Damals entspannten Regenfälle im späten Frühjahr und Sommer die Lage. Für 2026 erwartet Marx diese Entspannung nicht. „Durch ein bisschen Regen sind keine Änderungen im Gesamtboden mehr zu erwarten außer in einem extrem nassen Sommer“, sagt er. Der Grund: Im Sommer werde der Boden eher oberflächlich nass.

Welche Folgen hat ein trockener Unterboden?

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Für die Landwirtschaft ist die Lage Marx zufolge aktuell noch vergleichsweise entspannt. „Hier kamen die Niederschläge genau zur richtigen Zeit, so dass die Pflanzen keinen Wasserstress hatten.“ Große Probleme hätten jedoch Wald und Forst, denen nun ein Stresssommer drohe.

Auch Flüsse seien betroffen: Wenn die Grundwasserstände unterdurchschnittlich sind, führen Flüsse Niedrigwasser. Auch das lasse sich nach Ansicht des Experten nicht mit ein paar Regentagen beheben. „Dann geht zwar eine Welle durch den Fluss, aber wenn die durch ist, fällt das Wasser wieder zurück auf niedrige Pegel“, erklärt Marx.

Ist 2026 der Beginn einer neuen Dürreperiode?

Ob sich hinter dem Frühjahr 2026 ein langfristiger Trend verbirgt, lässt Marx offen. „Das wird tatsächlich kontrovers diskutiert, je nachdem welchen Zeithorizont man betrachtet.“ Der UFZ-Dürremonitor reicht mit seinen Einschätzungen bis 1951 zurück. Der Blick darauf zeigt: Lange Dürrephasen über mehrere Jahreszyklen hinweg gab es auch in der Vergangenheit.

Schaut man allerdings allein auf die vergangenen 30 Jahre, sei durchaus ein Trend zu mehr Trockenheit erkennbar. Panik sei deshalb trotzdem nicht angebracht: „Dürre ist ein Extremereignis mit Anfang und Ende, und das ist in Deutschland lange kein Normalzustand, an den wir uns jetzt gewöhnen müssen", betont Marx.

Trocknet Deutschland aus?

„Wir haben in Deutschland viele Talsperren, nutzen Flusswasser, Grundwasser und auch regionale Netze sind gut ausgebaut, so dass man sich gegenseitig aushelfen kann. Aus diesem Grund drohen Deutschland auch keine Dürre-Zustände wie etwa in Spanien“, sagt Marx. Und selbst als die Grundwasserstände zwischen 2018 und 2021 deutlich fielen und unterdurchschnittlich waren, hätten sie sich danach Jahr für Jahr erholt. In 2024 waren sowohl Oberboden als auch Unterboden gut gesättigt.

Allerdings: Je niedriger der Grundwasserspiegel, desto langsamer reagiere das Wassersystem auf Niederschläge, räumt Marx ein. „Wenn ich es mir also wünschen könnte, würde ich mir diesen Sommer regelmäßigen ergiebigen Nachtregen wünschen – dann können tagsüber alle Baden gehen und den Sommer genießen und niemand müsse sich um eine Dürre sorgen“, sagt Marx.

Dürremanagement: Warum bleibt so vieles liegen?

Das eigentliche Problem liegt laut Marx also weniger in der Wasserverfügbarkeit als im Umgang mit Dürre. Bei niedrigem Grundwasser müsste man alle Verbraucher einbeziehen – vor allem die Industrie. Doch es sei derzeit nicht geklärt, welche Kompensation ein Betrieb bei Einschränkungen erhalten müsste. Dürremanagement auf lokaler Ebene sei „extrem schwierig" – viele Akteure, komplexe Entscheidungen, wenig politischer Druck.

„Deshalb versucht man erst einmal auf Verbraucherebene aktiv zu werden“, sagt Marx. Dabei hätten Maßnahmen, die untersagen, dass etwa private Gärten nur eingeschränkt gewässert werden, keinen großen Effekt.

Was braucht Deutschland bei der Wasserversorgung in Zukunft?

Marx warnt vor allem vor Fehlanpassung: Wer das Schlimmste als alleinige Planungsgrundlage nehme, riskiere, das dezentrale Wassersystem zu schwächen – genau das, was in akuten Dürrephasen gebraucht werde. „Unter dem Deckmantel der Klimaanpassung wird im Zweifel fehlinvestiert, so dass wir in der Dürresituation schlechter stehen", sagt er. Was es brauche, sei ein flexibles Dürremanagement für zeitlich begrenzte Phasen in einem dezentralen Wassersystem, so der Dürreexperte.

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