Blitz, Donner — aber warum kommt nicht immer Regen? | Weather.com
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Starkregen: Warum manche Gewitter kaum und andere sehr viel Regen bringen

Feuchtigkeit, Zuggeschwindigkeit und Gewittertyp entscheiden, ob ein Gewitter harmlos bleibt oder Sturzfluten auslöst.

31.07.2024, Baden-Württemberg, Bartholomä: Ein Blitz zuckt bei einem Sommergewitter am abendlichen Himmel über Bartholomä auf der Schwäbischen Alb. (Marius Bulling/dpa)
Gewitter mit oder ohne Regen? Ein Blitz zuckt bei einem Sommergewitter am abendlichen Himmel über Bartholomä auf der Schwäbischen Alb
(Marius Bulling/dpa)

Blitze, Donner, dunkle Wolken – und trotzdem fällt manchmal kaum Regen. Andere Gewitter bringen binnen kurzer Zeit Sturzfluten. Warum das so ist und wann Starkregen besonders wahrscheinlich wird.

Was eine hohe Wolkenbasis bedeutet

„In Mitteleuropa bringen Gewitter in der Regel immer Regen mit sich“, sagt Oliver Reuter, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienste (DWD). Dass ein Gewitter zwar aktiv ist, am Boden aber kaum Niederschlag ankommt, könne dennoch vorkommen. Das passiere etwa, wenn ein Gewitter teils eine hohe Wolkenbasis hat. „Dann verdunstet auf dem Weg nach unten sehr viel Feuchtigkeit“, erklärt der Meteorologe.

Besonders ausgeprägt sei das in heißen Regionen, etwa in Afrika, wenn Gewitter sehr hoch in der Atmosphäre entstünden. Auch Wind könne beeinflussen, wo und wie viel Regen am Boden ankommt: Wehe in einigen Kilometern Höhe kaum Wind, ziehe das Gewitter kaum weiter. Sei es dort sehr windig, könne Niederschlag stark verfrachtet werden, so Reuter.

Feuchtigkeit entscheidet über die Regenmenge

Für Starkregen ist Reuter zufolge vor allem die Feuchtigkeit entscheidend. „Die Niederschlagsproduktion lebt von Feuchtigkeit, die kondensiert und zu Boden fällt“, sagt er. Je mehr Wasserdampf in der Luft vorhanden ist, desto größer könne die Regenmenge ausfallen. Damit aus einem Gewitter aber nicht nur ein kurzer Schauer, sondern gefährlicher Starkregen wird, müsse es auch lange genug über einem Gebiet bleiben.

„Teilweise bilden sich Gewitter an Ort und Stelle und regnen sich an Ort und Stelle auch wieder ab“, sagt der Meteorologe. Nach Informationen des DWD bewege sich eine Gewittereinzelzelle vor allem bei schwachem Wind nur langsam und könne nahezu an Ort und Stelle verharren – mit lokal eng begrenztem Starkregen.

Örtlich begrenzte Gewitter bringen viel Regen

Kritisch wird es nicht nur, wenn ein Gewitter langsam zieht, sondern auch wenn es quasi stehen bleibt. Laut Reuter vom DWD treten Gewitter mit starken Niederschlägen besonders häufig in Gebirgsnähe auf, etwa im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb oder am Alpenrand. Der Südwesten sei allgemein ein Gewitter-Hotspot in Deutschland. „Im Gebirge kann ein Gewitter stationär werden und kriegt dabei viele neue Energie zugeliefert“, sagt er.

Eine weitere Starkregen-Konstellation ist der sogenannte Trainingseffekt. „Es kann auch vorkommen, dass zwei oder drei Gewitterzellen hintereinander über denselben Ort hinwegziehen“, sagt der Meteorologe. Gemeint ist: Mehrere Zellen ziehen wie Waggons eines Zuges über dieselbe Strecke. Der Effekt ist kein eigener Gewittertyp, sondern beschreibt ein Ablaufmuster. Für den betroffenen Ort bedeutet das, dass sich die Regenmengen mehrerer Zellen addieren können.

Wenn sich Gewitter organisieren, droht Starkregen

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Während einzelne Gewitterzellen oft kurzlebig sind, kann nach Angaben von Reuter aus mehreren Zellen ein größeres System entstehen, das insgesamt länger lebt und größere Gebiete trifft. So könne eine solche Multizelle mehrere Stunden existieren und entlang ihrer Böenfront heftigen Starkregen mit Gefahr lokaler Überschwemmungen bringen, schreibt der DWD.

Noch größere Gewitterkomplexe wie sogenannte mesoskalige konvektive Systeme können dem DWD zufolge über mehrere Stunden anhalten und noch deutlich größere Gebiete mit Starkregen bis hin zu Hagel treffen. Später könne daraus ein größeres Regengebiet entstehen, in dem die stärksten Niederschläge allmählich nachlassen.

Grundsätzlich treten dem DWD zufolge bei einer Squall-Line, also einer Gewitterlinie, vor allem am Vorderrand wiederholt Gewitter mit Starkregen auf. Hinter dieser Linie folgt oft gleichmäßigerer Regen.

Warnsysteme des DWD bei Gewitter und Starkregen

Für die Vorhersage beobachtet der DWD nach Aussage des Meteorologen stets die wichtigsten Parameter für Gewitter. „Wir nennen das die Zutatenmethode“, so Reuter. „Man kann es sich vorstellen wie einen Kochtopf, wo Feuchtigkeit, Energie der Luftmasse und Hebungseffekte zusammenkommen“, sagt der Meteorologe. Je nachdem, welche Zutat besonders ausgeprägt sei, könne der DWD einschätzen, ob eher kräftige Gewitter, viel Regen oder andere Begleiterscheinungen drohten.

Die Vorhersage hat dennoch Grenzen. Nach Aussage von Reuter sei die Treffergenauigkeit hoch, wenn es darum gehe, Gebiete abzuschätzen, in denen Gewitter auftreten können. Für den einzelnen Ort bleibe die Lage jedoch schwieriger. Der Grund dafür ist dem DWD zufolge, dass Gewitter oft recht unvermittelt entstehen, ihre Zugrichtung sich ändern oder wieder auflösen kann. Gemeindegenaue Warnungen seien deshalb meist erst kurz vor Eintreffen möglich.

Dunkle Wolken sind ein Warnsignal – aber nicht immer sichtbar

Für Menschen im Freien bleibt daher der Blick zum Himmel noch immer wichtig. „Wenn man sieht, dass sich dunkle Wolken zusammenbrauen und der Himmel schwarz wird, dann ist das ein eindeutiges Zeichen“, sagt der Meteorologe. Typische Gewitterwolken seien Cumulonimbus-Wolken. Sie können mächtig aufragen und sehr bedrohlich wirken.

Allerdings ist ein Gewitter nicht immer klar zu erkennen. „Manchmal sind Gewitter auch eingebunden in Regengebiete“, sagt der Meteorologe. Dann regne es zunächst, und erst später ziehe die eigentliche Gewitterzelle über einen hinweg. Auch der Cumulonimbus sei nicht immer eindeutig als dunkle, bedrohliche Wolke sichtbar. „Deshalb kann einen ein Gewitter auch schon mal überraschen.“

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