Sogar im All sichtbar: Seltenes Schauspiel an Grönlands Gletschern entdeckt
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Gigantische Staubfahnen über Eis-Insel Grönland entdeckt – was dahinter steckt

NASA Earth Observatory images by Joshua Stevens, using Landsat data from the U.S. Geological Survey and modified Copernicus Sentinel data (2018) processed by the European Space Agency. 
https://earthobservatory.nasa.gov/images/92891/glacier-flour-in-greenland-skies
Die Satellitenbilder-Kombo von Sentinel-2 zeigt, wie zunächst die Flussaue austrocknet, dann Winde den Gletscherabrieb einer gewaltigen Wolke gleich in die Luft befördern - und schließlich wieder Ruhe einkehrt.
(NASA Earth Observatory/Joshua Stevens/USGS/Copernicus Sentinel/ESA )

 

Grönland ist über weite Teile mit Eis bedeckt – entsprechend ist die Insel einer der letzten Orte, an dem man gigantische Staubwolken vermutet. Allerdings haben Satellitenbilder vergangenen Monat genau dieses seltene Phänomen aufgezeichnet, wie das Erdobervatorium der Nasa mitteilte.

Winde können auf Grönland gelegentlich so stark sein, dass sie in Küstennähe Sedimente aus ausgetrockneten Seen, Flusstälern oder Tiefebenen aufwirbeln. Der Staub besteht hauptsächlich aus von Gletschern zerriebenem Gestein.

Staubfahne aus dem All gut zu sehen

Eine Sammlung von Bildern, die die Satelliten Landsat 8 und Sentinel-2 Ende September aufgenommen haben, zeigen das Phänomen in einem beeindruckenden Ausmaß: Zunächst ist eine Flussaue zu sehen, die zunehmend austrocknet (grau, auf den ersten beiden Bildern in der Kombo). Dann befördern nordwestliche Winde eine beträchtliche Staubfahne in die Luft (drittes Bild). Tags darauf ist es wieder ruhig (viertes Bild).

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(NASA Earth Observatory/Joshua Stevens/USGS/Copernicus Sentinel/ESA)
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Der Gletscherabrieb wurde wahrscheinlich von mehreren Gletschern weiter talaufwärts produziert und dann von Schmelzwasser flussabwärts getragen, wo er in der Flussaue zur Ruhe kam. Als im Herbst der Wasserstand sank, trocknete die Aue aus. Sie liegt knapp 130 Kilometer nordwestlich der Stadt Ittoqqortoormiit (dänisch: Scoresbysund) und damit mehrere hundert Kilometer über dem Polarkreis.

Seltenes Phänomen auf Grönland 

Wenngleich es seit mehr als einem Jahrhundert Berichte über sporadische Staubereignisse in Höhenlagen gibt, begannen Forscher erst vor etwa zehn Jahren damit, sie systematisch zu untersuchen. In der Arktis ist das Phänomen mit Satelliten nur schwer zu erforschen, und auch auf Grönland gibt es nur wenige Zeugnisse.

„Wir haben schon einige Beispiele für kleine Staubereignisse gesehen, aber sie sind wegen der Wolkendecke für Satelliten nur schwer zu erkennen“, sagte Joanna Bullard, Professorin für Physische Geographie an der Loughborough University London. „Wenn Staubereignisse auftreten, deuten Felddaten aus Island und Westgrönland darauf hin, dass sie selten länger als zwei Tage anhalten.“

Staubfahnen beeinflussen Klima

Santiago Gassó, ein Atmosphärenforscher im Goddard Space Flight Center der Nasa, meint beeindruckt: „Das ist bei Weitem das größte mit Satelliten aufgenommenen Ereignis, von denen ich weiß.“

Bislang sind Staubfahnen in hohen Breiten nicht in Atmosphären- und Klimamodellen enthalten, da so wenig über sie bekannt ist. Gassó hofft, dass künftig ihrer Auswirkungen auf die Luftqualität, Schneereflexion und Meeresbiologie berücksichtigt werden.

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